Gesetz & Recht | Hanf im Glück | Neuigkeiten | 30. November 2021

Hindernisse bei der Legalisierung in Deutschland 2021

Der Beschluss Cannabis zu legalisieren steht endlich im Koalitionsvertrag – das Fundament für eine längst überfällige Veränderung ist also gelegt. Während wir von Hanf im Glück die derzeitigen Pläne der Regierung natürlich begrüßen, verstehen wir, dass nicht jeder diese Euphorie teilt und sich manche Mitbürger noch immer Fragen, welche Herausforderungen mit einer Cannabislegalisierung in Deutschland einhergehen und welche Auswirkungen das Ende der Prohibition auf unsere Gesellschaft haben könnten.

Unser Team ist seit Jahren in der deutschen Cannabisbranche aktiv und setzt sich seit jeher leidenschaftlich für ein Ende von Repression und Stigmatisierung der Hanfpflanze ein. Dieses Fachwissen möchten wir nun nutzen, um interessierte Personen aufzuklären und einen zielführenden Dialog zur bestmöglichen Umsetzung der Legalisierungsbemühungen zu erreichen.

Wenn auch du dich fragst, ob eine Cannabis Legalisierung in Deutschland sinnvoll und vor allem praktikabel wäre und dich dafür interessierst, wie ein solches Vorhaben bei uns umgesetzt werden könnte, dann bist du hier genau richtig! Unsere aktuelle Blogartikel-Reihe dreht sich in insgesamt 3 Artikeln um alle Aspekte der Cannabislegalisierung in Deutschland. 

Dieser Artikel kann dabei als Fortführung des Artikels Cannabis Legalisierung in Deutschland: Was steckt hinter der Legalisierung in Deutschland? verstanden werden und befasst sich mit: 

  • den gesellschaftlichen Folgen einer Cannabislegalisierung in Deutschland
  • den Herausforderungen, die das Ende der Prohibition mit sich bringen kann

Herb is the healing of the nation – der gesellschaftliche Aspekt

Zwar ist nicht wirklich davon auszugehen, dass sich die Verantwortlichen bei der Entscheidung zur Legalisierung durch die Aussage von Bob Marley haben inspirieren lassen, dennoch tragen sie durch diesen längst überfälligen Schritt zu einer Heilung des Landes bei. 

Deutschland würde durch eine Cannabis Legalisierung auf einen Schlag circa 4 Millionen (geschätzte Dunkelziffer weit höher)3 Verbrecher weniger zu verzeichnen haben. Diese Leute sind in Wahrheit natürlich keine “Verbrecher”, sondern normale Menschen, die arbeiten, studieren, Kinder groß ziehen oder bereits die Rente genießen. Sie gehören zu den 7,1 % der volljährigen Deutschen, die vorsichtigen Schätzungen zufolge, mindestens 1 Mal im Jahr Cannabisprodukte verwenden.4 Studien zeigen, dass sich die Gruppe der Konsumenten durch alle Schichten der Bevölkerung zieht und sich wohl eher mit den Liebhabern von gutem Essen oder erlesenen Weinen vergleichen lässt als mit den Crack rauchenden Obdachlosen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. 

Das Strafrecht scheint also nicht das geeignete Mittel, um den Umgang dieser Bürger mit Cannabisprodukten zu regulieren oder sie vor einer möglichen Sucht zu bewahren. Die bloße Vorstellung steuerzahlende Mitglieder der Gesellschaft wegen ihrer Vorliebe für die Knospe einer Pflanze als Verbrecher abzustempeln und damit sozial zu ächten erscheint eigentlich schon antiquiert. Der Gedanke, dass diese Verfolgung von harmlosen Cannabiskonsumenten unseren Staat jährlich auch noch 1,1 Milliarden kostet und die Zahl der Nutzer dennoch kontinuierlich steigt, erweckt jedoch beinahe einen grotesken Eindruck und trägt nicht nur bei den Verfolgten zu einer gewissen Politikverdrossenheit bei.

Die Repression von Cannabis ist aber nicht nur teuer, sondern verhindert auch eine wirksame Qualitätskontrolle sowie den offenen Umgang mit Angeboten zur Prävention oder akuter Hilfe bei Suchterkrankungen. Denn Kriminalisierung schützt die Menschen nicht vor der Droge, sondern erschwert lediglich den Dialog. Wer Probleme mit Drogen hat, verdient die Hilfe des Staates, nicht den Knüppel des Strafrechts.

Durch eine Cannabislegalisierung in Deutschland kann nicht nur der Zugang zu Hilfsangeboten erleichtert und die Verfolgung durchschnittlicher Bürger beendet werden, die bereits unzählige persönliche Schicksale negativ beeinflusst hat. Vielmehr würde ein solcher Schritt dazu beitragen, die seit Jahren anhaltende, tiefe gesellschaftliche Spaltung im Umgang mit diesem Thema zu beenden. Mehr als 4 Millionen erwachsene Menschen wären auf einen Schlag rehabilitiert und müssten sich nicht mehr vor den Behörden verstecken, oder sich vor ihren Nachbarn und Familienmitgliedern rechtfertigen. Ein plötzliches Ende der Stigmatisierung von Cannabis könnte also nicht nur einen ungeahnten gesellschaftlichen Nutzen nach sich ziehen, sondern auch das Vertrauen dieser Menschen in die Politik wieder erblühen lassen.

Nimm die grüne Brille ab – ein Blick auf mögliche Herausforderungen

Natürlich ist auch im Fall der deutschen Cannabislegalisierung nicht alles Gold was glänzt. Es lohnt sich also auch bei diesem Thema einen Schritt zurück zu gehen, tief durchzuatmen und sicherzustellen, dass man im Vorfeld auch alle potenziellen Herausforderungen als solche identifiziert hat. 

Legalisierungsgegner führen als wichtigstes Argument stets den emotional konnotierten Jugendschutz auf. Dass Cannabis kein Brokkoli ist und ein übermäßiger Konsum während Pubertät und Adoleszenz mit negativen Folgen behaftet sein kann, dürfte mittlerweile allen klar sein. Durch ein zeitgemäßes Konzept zum Schutz der Jugend sowie flächendeckende Präventions- und Hilfsangebote sollte sich diese Herausforderung allerdings mühelos meistern lassen. Länder wie Portugal, wo man öffentliche Gelder seit der Entkriminalisierung aller Drogen für staatlich geförderte Prävention, Aufklärung und Hilfe von Suchtkranken aufwendet zeigen, dass auch ohne Repression extrem rückläufige Zahlen an Drogenkonsumenten im Alter zwischen 15 und 24 Jahren erreicht werden können².

Selbstverständlich sollen aber nicht nur Kinder und Jugendliche von einem solchen Angebot profitieren. Denn auch aufgeklärte Verbraucher im Erwachsenenalter müssen geschützt werden. Durch die Kombination aus Präventiv- und Hilfsmaßnahmen mit verpflichtenden Beratungs- und Qualitätsstandards für alle Marktteilnehmer, kann dieser Schutz jedoch vollumfänglich gewährleistet werden, wie man in Ansätzen z.B. in Nordamerika beobachten kann.

Ein weiterer Aspekt, der gerne in Verbindung mit einer ablehnenden Haltung gegenüber Cannabis beleuchtet wird, ist die Lüge der “weichen” Einstiegsdroge, deren Legalisierung die Zahl der Konsumenten rasant erhöhen und der staatlichen Gesundheitsvorsorge entgegenwirken würde. Wie die Drogenforscher Dieter Kleiber und Karl-Arthur Kovar aber bereits 1998 festgestellt haben, ist die These von der “weichen” Einstiegsdroge nach wissenschaftlichem Kenntnisstand jedoch nicht haltbar³. Die Implikation, dass eine Legalisierung von Cannabis das Heranreifen einer schwerst drogensüchtigen Folgegeneration begünstigen würde, kann also getrost in das Reich der Märchen verbannt werden. 

Auch eine rasante Zunahme der (jungen) Konsumenten ist mit Blick auf die Zahlen aus anderen Ländern nicht zu befürchten. In einer nationalen Studie der USA mit 50.000 Schülern hat sich auch trotz der Legalisierung von Cannabis in einigen Bundeststaaten kein signifikanter Anstieg des Cannabiskonsum unter Jugendlichen gezeigt⁴. Auch die Langzeitstatistiken der letzten 24 Jahre (vor 2009) haben dort keinen ursprünglich erwarteten Anstieg gezeigt. Bemerkenswert ist auch, dass speziell in den Niederlanden, die für ihren liberalen Umgang mit Cannabis bekannt sind, der Anteil der Cannabiskonsumenten einer der niedrigsten in ganz Europa ist, so der Report des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction⁵. Diese Zahl bezieht sich zwar auf kein spezifisches Konsumentenalter, jedoch ist davon auszugehen, dass bei einer stark erhöhten Zahl junger Konsumenten, der Gesamtdurchschnitt in den Niederlanden nicht mehr wie bisher 1 % unter dem der gesamten EU liegen würde. 

Auch wenn ein starker Anstieg des Konsums von Hanfprodukten zwar eher unwahrscheinlich ist, sollte die Möglichkeit aber dennoch in alle Überlegungen zur Gestaltung der gesetzlichen wie sozialen Rahmenbedingungen mit einbezogen werden. Gleichzeitig sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass sich der Drogenkonsum der Jugend in den letzten Jahren stark verändert hat. Immer wieder sprechen Angestellte von Beratungs- und Therapieeinrichtungen ihre Besorgnis über die aktuelle Trendwende bezüglich der Konsummuster junger Menschen aus, da diese statt Cannabis und Alkohol immer öfter zu Benzodiazepinen und Opioiden wie Xanax, Valium und Tilidin greifen⁶. Man muss also schon jetzt Konzepte entwickeln, die sich mit den Auswirkungen einer Cannabislegalisierung in Bezug auf die Wahrnehmung der Pflanze durch Jugendliche befassen. Die größte Gefahr für junge Menschen besteht nämlich nicht in legalen Cannabisprodukten, sondern in einer noch weiteren Verschiebung der Präferenzen weg von der neuen Mainstream Droge hin zu den verbotenen und damit reizvollen Downern mit ihrem extrem hohen Suchtpotenzial.  

Auch wenn es fraglich ist, einer Nutzpflanze, die seit Jahrhunderten medizinisch eingesetzt und erforscht wird, zu unterstellen, sie würde die Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge in unserem Land unterwandern, sollte dennoch auch auf diese Bedenken eingegangen werden. Dies sollte aber machbar sein, indem die Verantwortlichen des politischen Ressorts Gesundheit eine angepasste Strategie entwickeln und frei gewordene Ressourcen für entsprechende Maßnahmen einsetzen. Diese Maßnahmen könnten auch in Form einer Förderung des Beratungsangebots in Cannabisfachgeschäften ausgerollt werden, um auch von staatlicher Seite an vorderster Front einen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge zu leisten. 

Zu guter Letzt muss natürlich auch über die wirtschaftlichen Herausforderungen für alle beteiligten Unternehmen gesprochen werden. So sollten zu Beginn nicht nur Besteuerungssätze bestimmt werden, sondern direkt klare Rahmenbedingungen für eine faire Lizenzvergabe geschaffen werden. Dabei sollten Fachkenntnisse, Branchenkontakte, unternehmerische Eignung und persönliche Hintergründe auf jeden Fall wichtiger sein als die richtigen Verbindungen zu politischen Entscheidungsträgern. Anschließend müssen klare Verantwortlichkeiten auf allen politischen Ebenen bestimmt werden, damit eine klare Kommunikation der neuen, bundesweiten Vorgaben sowie deren Einhaltung durch alle Beteiligten gewährleistet werden können. Außerdem bedarf es natürlich auch ausgereifter Konzepte für die einheitliche Regelung von Anbau, Transport, Import, Vertrieb und Beratung sowie verpflichtende Standards und Regularien für die Produkte selbst. Hierbei sollte man aus den Fehlern der Legalisierung von Medizinalhanf in Deutschland lernen, bei der die unnötig komplizierten Regularien für einen zentralisierten Markt gesorgt hat, der nur von einigen wenigen “Big Playern” kontrolliert wird und einen Einstieg für neue, qualifizierte  Marktteilnehmer beinahe unmöglich macht.  

Da Deutschland bei der Cannabislegalisierung weit abgeschlagen hinter anderen Industrienationen liegt, kann ein Blick ins Ausland bei diesem Vorhaben sicher für willkommene Inspiration sorgen.

Wie geht es weiter im Cannabis Koalitionsvertrag?

Da wir von Hanf im Glück uns schon seit Jahren für eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland einsetzen, blicken wir aktuell natürlich voller Vorfreude in die Zukunft. Dabei ist uns aber bewusst, dass es bei der Umsetzung der bevorstehenden Veränderungen viele unterschiedliche Aspekte zu beachten gilt – diese möchten wir mit unserer Blogartikel-Reihe ansprechen, um einen Austausch mit unseren Lesern anzustoßen.

Nachdem die in diesem Artikel behandelten gesellschaftlichen Auswirkungen der Legalisierung sowie die möglichen Herausforderungen für unser Land unglaublich vielschichtig sind, sind wir bei diesem Thema auf deine individuellen Erfahrungen und deine persönliche Meinung angewiesen.

Sag uns in den Kommentaren, ob du das Thema ähnlich oder vielleicht auch ganz anders siehst und mach uns gerne darauf aufmerksam, wenn wir deiner Meinung nach etwas vergessen haben sollten.
Wir von Hanf im Glück möchten gemeinsam mit unseren Partnern, Freunden und Kunden ein zeitgemäßes Konzept zum Umgang mit Cannabis in Deutschland etablieren. Dabei stehen für uns vor allem Jugend- und Verbraucherschutz, klare und faire Marktbedingungen, sowie ein umfassendes Präventions- und Hilfsangebot im Vordergrund. Wenn auch du unsere Vision teilst, dann hilf uns mit deiner Unterschrift dabei, ein lizenziertes Cannabisfachgeschäft unter der Marke Hanf im Glück zu eröffnen.

Cannabis Petition zur sinnvollen Legalisierung

Jetzt mitmachen: https://weact.campact.de/petitions/cannabis-fachgeschafte-sinnvoll-lizenzieren

Das ist für dich selbstverständlich und du möchtest uns gerne über deine Unterschrift hinaus unterstützen? Dann kannst du: 

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Vielen Dank! Es wird Zeit für Veränderung. 

Dein Team von Hanf im Glück

Quellen

1 https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/16/cannabis-prohibition-kostet-deutschland-2-66-milliarden-pro-jahr/chapter:2

² https://www.heise.de/tp/features/15-Jahre-entkriminalisierte-Drogenpolitik-in-Portugal-3224495.html

³ https://hanfverband.de/nachrichten/blog/ist-cannabis-eine-einstiegsdroge

⁴ https://amp.theguardian.com/us-news/2015/jun/16/us-cannabis-study-legalisation-no-rise-use-teenagers

⁵ https://mobile.reuters.com/article/amp/idUSL5730185

⁶ https://taz.de/Neue-Jugenddroge-Benzodiazepine/!5791470/

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