Was steckt hinter der Legalisierung in Deutschland?

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Cannabis Legalisierung Deutschland

Cannabis Legalisierung in Deutschland

Die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ist zwar endlich beschlossene Sache, doch gibt es weiterhin viele offene Fragen bezüglich dieser längst überfälligen Veränderung. So fragen sich manche, wie eine Abgabe der Produkte über Cannabisfachgeschäfte im Detail aussehen könnte, während sich andere intensive Gedanken über die bevorstehenden gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Chancen und Herausforderungen machen.

Wir von Hanf im Glück sind seit Jahren in der deutschen Cannabisbranche aktiv und setzen uns dabei leidenschaftlich für ein Ende von Repression und Stigmatisierung der Hanfpflanze ein. Dieses Fachwissen möchten wir nun nutzen, um interessierte Personen aufzuklären und einen zielführenden Dialog zur bestmöglichen Umsetzung der Legalisierungsbemühungen zu erreichen.

Wenn auch du dich fragst, ob eine Cannabis Legalisierung in Deutschland sinnvoll und vor allem praktikabel wäre und dich dafür interessierst, wie ein solches Vorhaben bei uns umgesetzt werden könnte, dann bist du hier genau richtig! Unsere aktuelle Blogartikel-Reihe dreht sich in insgesamt 3 Artikeln um alle Aspekte der Cannabislegalisierung in Deutschland. 

Dieser Artikel befasst sich dabei mit:

  • dem geschichtlichen Hintergrund des Cannabisverbots
  • der aktuellen Situation in Deutschland
  • den wirtschaftlichen Auswirkungen der Legalisierung von Cannabis

Wozu Argumente, wenn es Verbote gibt?  

Hanf ist eine jahrtausende alte Nutzpflanze, deren vielfältiges Potential bereits früh entdeckt wurde. Da nahezu alle Bestandteile der Pflanze für die Herstellung von Nahrung, Arznei oder Kleidung verwendet werden konnten, verwundert es kaum, dass Cannabis – zusammen mit Weizen und Gerste – sogar zu den ersten von Menschen kultivierten Pflanzen zählt.1

Anfang des 20. Jahrhunderts war Cannabis auch in deutschen Apotheken noch frei verkäuflich. Denn seit 1872 wurde der so genannte „Indische Hanf – Herba Cannabis Indicae“ dort zur Behandlung von gastrointestinalen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö und abdominellen Schmerzen angeboten.

Ein knappes halbes Jahrhundert später, wurde Cannabis schließlich bei der zweiten Opiumkonferenz in den Jahren 1924/25 mit einem globalen Verbot belegt, das 1929 auch von der deutschen Regierung übernommen werden musste. 

Fun Fact: 1971 wurde dieses Opiumgesetz dann ohne weiteres Prüfen oder Aufarbeiten direkt in das neu geschriebene Betäubungsmittelgesetz überführt, wo es bis heute gilt. Die Behauptung vieler Legalisierungsbefürworter, dass das bestehende Cannabisverbot nicht mehr zeitgemäß sei, lässt sich damit nur schwer von der Hand weisen.

Maßgeblich für den aktuellen Status Quo war jedoch vielmehr eine Kampagne des amerikanischen Medienmagnaten William Randolph Hearst, der ab 1936 mit Medienpropaganda und Lobbyismus gegen Hanf mobil machte. Als Papierhersteller war ihm dabei jedes Mittel recht, um das Image der verhassten Hanffaser zu schädigen. 

Wie nachhaltig die Propaganda seiner Medienunternehmen die Menschen jedoch beeinflussen würde, war ihm wahrscheinlich nicht einmal selbst klar, als er begann das Bild der neuen “Teufelsdroge” Marihuana zu etablieren. Indem er Cannabis medial mit ungewollter Einwanderung aus Mexiko und einer Zunahme an Verbrechen verknüpfte, nutzte er die damals vorherrschenden Ängste der Menschen aus. So leitete er 1937 in den USA, beinahe im Alleingang, ein flächendeckendes Verbot der Hanfpflanze ein und prägte auch weltweit eine ablehnende Einstellung gegenüber Cannabis. Das mittlerweile bröckelnde Verbot in den USA geht also zumindest eher auf wirtschaftlich motivierte Lobbyarbeit, als auf wissenschaftliche Fakten, zurück. 

Auch die in Deutschland vorherrschende politische Stimmung konnte von Verfechtern der Prohibition stets nur sehr vage begründet werden. Selbst die simple Frage nach dem “Warum” wurde bisher nur unzureichend beantwortet. Unvergessen ist dabei der Versuch der ehemaligen Drogenbeauftragten Marlene Mortler, das Verbot zu mit der Aussage “weil Cannabis eine illegale Droge ist” zu rechtfertigen. Cannabis ist kontroverserweise also nicht verboten, weil es gefährlich ist – sondern wird als gefährlich dargestellt, weil es verboten ist.

Die gesellschaftliche Relevanz von Cannabis, sowie die Befürwortung einer Legalisierung, haben in den letzten Jahren jedoch weltweit stark zugenommen. Zum einen, weil immer mehr Menschen Cannabis konsumieren, zum anderen, weil auch Nicht-Konsumenten mittlerweile einsehen, dass das Gesetz nicht mehr zeitgemäß ist. Als direkte Folge dieser Entwicklung, stehen nun auch viele junge Politikerinnen und Politiker der Debatte für eine Legalisierung aufgeschlossen gegenüber. 

Die Ampel steht auf Grün

Nach insgesamt 92 Jahren, soll nun also auch in Deutschland endlich ein neuer Kurs im Umgang mit Cannabis eingeschlagen werden. Schluss mit Kontrollen, aufwändigen Ermittlungen, radikalen Hausdurchsuchungen, teuren Gerichtsverfahren und hohen Strafen für Besitz, Konsum oder Weitergabe einer kleinen, grünen Blüte. 

Das hört sich vielversprechend an und bringt in Krisenzeiten voller Inflation, Pandemie und Politikverdrossenheit auch noch wertvolle Wählerstimmen und dringend benötigte Steuereinnahmen ein. Kein Wunder also, dass sich die Parteien der 2021 gebildeten Regierungskoalition dazu entschieden haben, die Prohibition von Cannabis auch in unserem Land zu beenden. 

Legalisierung statt einer Entkriminalisierung, ist unserer Meinung nach der richtige Schritt in die Zukunft. Ähnlich sieht das auch der als Legalisierungsbefürworter bekannte Richter Andreas Mülller. Er betrachtete das deutsche Cannabisverbot sogar als verfassungswidrig und hatte daher bereits 2019 einen entsprechenden Normenkontrollantrag beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Nachdem das Thema politisch zuvor um jeden Preis abgelehnt wurde und unqualifizierte Drogenbeauftragte wie zum Beispiel Daniela Ludwig (die Schöpferin des “Cannabis-Brokkoli-Vergleichs”) sowie erzkonservative Vertreter der Alkohollobby über Jahrzehnte das Narrativ der gefährlichen Einstiegsdroge Cannabis befeuert haben, scheint die lange geforderte Veränderung nun zum Greifen nahe. Politiker fast jeder Partei sind plötzlich doch nicht mehr so “anti” und selbst der designierte Kanzler, beantwortet die Frage nach einer möglichen Cannabislegalisierung, nur mit einem unverhohlenen Grinsen. Egal ob medial oder politisch, im Herbst 2021 merkt man, dass grün die Farbe der Hoffnung ist. Ob die Beteiligten dabei auf das helle grün druckfrischer hundert Euro Scheine hoffen oder sich die dunklen Grüntöne hochqualitativer Cannabisblüten herbeisehnen, weiß natürlich niemand. Dass die Zukunft Deutschlands aber ein ganzes Stück grüner werden wird, scheint mittlerweile beschlossene Sache zu sein.

Cannabiz in Deutschland – das Wirtschaftswunder 2.0 ?

Die beschlossene Freigabe von Cannabis zu Genusszwecken ist eine grundlegende Veränderung für Deutschland und wird mit einer Vielzahl an gesellschaftlichen und ökonomischen Neuerungen einhergehen. Bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Aspekte dieses Umschwungs wird zudem schnell klar, warum die Cannabislegalisierung so wichtig für unser Land sein könnte.

In dem Moment, in dem wir damit aufhören Menschen wegen einer Pflanze zu verfolgen, werden in kürzester Zeit wichtige Ressourcen bei Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichten, JVAs und unzähligen anderen Behörden frei gemacht. Würden sich diese stattdessen mit der Verfolgung “echter” Verbrechen befassen, könnte man den bestehenden Schwarzmarkt effektiv bekämpfen und dabei auch noch dringend notwendige Einsparungen im Staatshaushalt vornehmen. 

Warum aber nur einsparen, wenn man auch richtig abkassieren kann, denken sich jetzt sicher viele der politischen Entscheidungsträger und werfen dabei einen schmachtenden Blick über den großen Teich. In Bundesländern wie Kalifornien spülte die Cannabis Wirtschaft mit ihren 67.000 Beschäftigten¹ zum Beispiel im Jahr 2018 Steuereinnahmen von 397.700.482,00$² – also knapp Vierhundert Millionen Dollar – in die Staatskassen. Natürlich müssen wir Deutschen uns nicht gleich mit den absoluten Vorreitern des globalen Marktes messen, um einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Hilfe von Cannabis zu erreichen. Denn auch die Zahlen anderer amerikanischer Bundesstaaten geben Grund für dezenten Optimismus: so hat der Staat Illinois in 2020, dem ersten Jahr der legalen Nutzung von Cannabis als Genussmittel bereits Steuereinnahmen von 205.400.000$³ verbuchen können. Wenn man diese Einnahmen auf die Einwohnerzahlen Deutschlands übertragen würde, wären das zusätzliche Steuereinnahmen von 1.345.000.000,00$.

Zahlen dieser Art sind natürlich immer schön zu lesen, doch nicht nur die enormen Steuereinnahmen sollten uns beschwingt in die Zukunft blicken lassen. Eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland könnte nämlich ein Wirtschaftswunder von ungeahntem Ausmaß bewirken. Lizenzierte Fachgeschäfte brauchen selbstverständlich Ladenflächen, Mitarbeiter, Zulieferer, aufwendige Laboranalysen zur Qualitätssicherung, und vieles mehr, um überhaupt eröffnen zu können. Diese Investitionsleistung in die Wirtschaft, beschränkt sich in der Folge nicht nur nur auf die Cannabisbranche, sondern wird auch alle Zuliefererbranchen fördern. 

Was kommt jetzt – Ampel Legalisierung für Deutschland?

Du bist wahrscheinlich nicht verwundert zu hören, dass wir uns nach Jahren der Repression im Beruflichen wie Privaten sehr über die aktuelle Entwicklung in Deutschland freuen. Da die Umsetzung der bevorstehenden Legalisierung aber extrem facettenreich ist, wünschen wir uns auf Basis dieser Blogartikel-Reihe einen Austausch mit unseren Lesern. Sag uns in den Kommentaren, ob du das Thema ähnlich oder vielleicht auch ganz anders siehst und mach uns gerne darauf aufmerksam, wenn wir deiner Meinung nach etwas vergessen haben sollten.

Cannabis Petition zur sinnvollen Legalisierung

Wir von Hanf im Glück möchten gemeinsam mit unseren Partnern, Freunden und Kunden ein zeitgemäßes Konzept zum Umgang mit Cannabis in Deutschland etablieren. Dabei stehen für uns vor allem Jugend- und Verbraucherschutz, klare und faire Marktbedingungen, sowie ein umfassendes Präventions- und Hilfsangebot im Vordergrund. Wenn auch du unsere Vision teilst, dann hilf uns mit deiner Unterschrift dabei, ein lizenziertes Cannabisfachgeschäft unter der Marke Hanf im Glück zu eröffnen.

Jetzt mitmachen: https://weact.campact.de/petitions/cannabis-fachgeschafte-sinnvoll-lizenzieren

Das ist für dich selbstverständlich und du möchtest uns gerne über deine Unterschrift hinaus unterstützen? Dann kannst du: 

  • uns deine persönlichen Kontakte zu Journalisten oder Politikern weiterleiten, die uns bei unseren Bestrebungen helfen können
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Vielen Dank! Es wird Zeit für Veränderung.

Dein Team von Hanf im Glück

Quellen

1 https://efp.ucsb.edu/Cannabis/Employment.html

² https://www.cdtfa.ca.gov/dataportal/dataset.htm?url=CannabisTaxRevenues

³ https://www.marijuanamoment.net/illinois-gets-more-tax-revenue-from-marijuana-than-alcohol-state-says/

1 Kommentar

  • Katia Pomaroli

    Antworten 8. Dezember 2021 19:21

    Hallo Ruby, danke für den sehr interessanten Artikel. Ich kann dem bejahen. Alkohol ist für alle verfügbar,und jeder kann sich bis ins Koma saufen, und es ist extrem billig, und es macht aggressiv. Ich habe noch nie gehört dass Cannabis Konsumenten aggressiv werden,und Schlägereien provozieren. Es ist natürlich wichtig dass es kontrolliert abgeben wird. An Kids und Teenies sollte es natürlich nicht verkauft werden. Es sollte auch richtig aufgeklärt werden, das ist sehr wichtig. Man kann ja züchten mit unterschiedlichen THC werten. Und es würde extrem viel Geld in die Kassen fliessen. Es ist auch bei manchen Krankheiten wirksam, und es ist ja rein pflanzlich, welches doch besser ist als pure Chemie. Und somit würde die Kriminalisierung wegfallen, und es gibt dann auch kein verunreinigtes oder gestreckten THC mehr. Ich bin klar für eine Legalisierung, mit kontrollierter Abgabe. Ich bin zuversichtlich 👍

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