Kann man passiv high werden? Wirkung, Nachweisbarkeit und Schutz
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Kann man passiv high werden, wenn jemand neben dir einen Joint raucht? Die Frage taucht bei WG-Abenden, Konzerten oder Autofahrten immer wieder auf. Die kurze Antwort lautet: Unter extremen Bedingungen ist eine leichte Wirkung möglich. Im Alltag reicht die aufgenommene Menge an THC dafür in der Regel nicht aus. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Passivrauch ein Thema ist. Dazu gehören kleine Räume ohne Frischluft, Kinder im Haushalt oder ein Drogentest im Straßenverkehr.
Dieser Artikel ordnet ein, was die Forschung zu Passivrauch von Cannabis weiß. Du erfährst, welche Faktoren die Aufnahme beeinflussen, wann ein Nachweis in Blut, Urin oder Speichel denkbar ist und wie du andere Menschen und Haustiere schützt. Am Ende kannst du typische Situationen selbst einschätzen und weißt, wie du Passivrauch im eigenen Umfeld vermeidest.

Was bedeutet passiv high?
Beim Rauchen von Cannabis entsteht Rauch mit THC, dem Wirkstoff, der für den Rausch verantwortlich ist. Ein Teil dieses Rauchs gelangt in die Lunge der rauchenden Person. Der Rest verteilt sich im Raum. Dazu zählen der Rauch, der beim Ausatmen entweicht, und der Rauch, der direkt vom glühenden Joint aufsteigt. Menschen im gleichen Raum atmen diese Luft ein. Das nennt man Passivrauch.
Passiv high wäre also eine spürbare Wirkung durch das Einatmen fremden Rauchs. Dafür müsste genug THC über die Lunge ins Blut gelangen. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zum aktiven Konsum. Ein Raucher zieht den Rauch konzentriert und tief ein. Ein Nebenstehender atmet verdünnte Raumluft, in der das THC stark verteilt ist.
Die Frage, ob man passiv high werden kann, hängt deshalb weniger vom Cannabis selbst ab als von der Konzentration in der Luft. Je mehr Rauch pro Kubikmeter Raumluft, desto mehr THC kommt bei anderen an. Je besser die Luft ausgetauscht wird, desto geringer ist die Belastung. Beide Faktoren erklären, warum Studienergebnisse so stark schwanken.
Passivrauch und Cannabisgeruch sind nicht dasselbe
Viele Menschen setzen den Geruch von Cannabis mit einer Wirkung gleich. Das ist ein Irrtum. Der typische Geruch stammt vor allem von Terpenen, also von aromatischen Pflanzenstoffen. Terpene riechst du schon in winzigen Mengen. THC hingegen ist geruchlos und muss in deutlich höherer Konzentration in der Luft sein, um eine Wirkung zu entfalten.
Wenn du also im Treppenhaus oder auf einem Festival Cannabis riechst, sagt das wenig über deine THC-Aufnahme aus. Der Geruch kann auch von Pflanzen oder gelagerten Blüten kommen, ohne dass überhaupt jemand raucht. Wie stark Pflanzen riechen und was du dagegen tun kannst, erklären wir im Beitrag zu Cannabis-Geruch. Ein intensiver Geruch ist ein Hinweis auf Rauch oder Blüten in der Nähe, aber kein Beleg für einen Rausch.
Welche Rolle Raumgröße und Lüftung spielen
Ein kleiner Raum ohne Fenster sammelt Rauch wie ein Behälter. Rauchen dort mehrere Personen über längere Zeit, steigt die THC-Konzentration in der Luft deutlich an. Ein großes Wohnzimmer mit offener Tür verdünnt denselben Rauch auf ein Vielfaches an Luftvolumen. Die Menge an THC, die du pro Atemzug aufnimmst, sinkt entsprechend.
Lüftung wirkt in die gleiche Richtung. Ein geöffnetes Fenster, eine Abluftanlage oder eine Klimaanlage tauschen die belastete Luft gegen frische aus. In Studien reichte schon eine einfache Belüftung, um die Blutwerte von Nichtrauchern auf ein kaum messbares Niveau zu senken. Im Freien verteilt sich Rauch innerhalb von Sekunden. Eine relevante Aufnahme ist dort praktisch ausgeschlossen.
Unter welchen Bedingungen ist eine Wirkung möglich?
Forscher haben die Frage, ob man passiv high werden kann, in kontrollierten Versuchen untersucht. Am bekanntesten ist eine Studienreihe der Johns Hopkins University aus dem Jahr 2015. Dort saßen Nichtraucher gemeinsam mit sechs Rauchern eine Stunde lang in einer kleinen, luftdichten Kammer. Die Raucher konsumierten jeweils zehn Joints mit rund elf Prozent THC. Das Ergebnis: Die Nichtraucher hatten messbares THC im Blut. Einige berichteten von leichter Müdigkeit oder einem milden Rauschgefühl. In Aufmerksamkeitstests schnitten sie etwas schlechter ab.
Wichtig ist der Kontext dieses Versuchs. Die Bedingungen waren extrem und mit dem Alltag kaum vergleichbar. Sechs Personen rauchten zusammen 60 Joints in einem Raum ohne jeglichen Luftaustausch. Sobald die Forscher die Kammer belüfteten, fielen die Effekte weg. Die THC-Werte im Blut blieben dann sehr niedrig und die Testpersonen spürten keine Wirkung.
Diese Ergebnisse zeigen zwei Dinge. Erstens: Passivrauch von Cannabis ist nicht wirkungslos, wenn die Belastung hoch genug ist. Zweitens: Die Schwelle dafür liegt weit über dem, was bei normalem Konsum in Gesellschaft entsteht. Wer eine leichte Wirkung durch Passivrauch erlebt, war fast immer in einem stark verrauchten, geschlossenen Raum.
Starke Rauchbelastung in geschlossenen Räumen
Typische Risikosituationen sind kleine Räume mit vielen Rauchern und ohne Frischluft. Dazu zählen ein geschlossenes Auto, ein winziges Zimmer mit geschlossenen Fenstern oder ein Zelt. Wenn dort über eine Stunde mehrere Joints geraucht werden, kann die THC-Konzentration in der Luft ein Niveau erreichen, das bei Nichtrauchern messbar wird. Zusätzlich kann Rauch in dieser Dichte Kopfschmerzen, gereizte Augen und Husten auslösen. Diese Beschwerden haben nichts mit einem Rausch zu tun, sondern mit dem Rauch selbst.
Auch die Stärke des Cannabis spielt eine Rolle. Blüten mit hohem THC-Gehalt geben pro Joint mehr Wirkstoff in die Luft ab als schwache Sorten. Hasch verbrennt anders als Blüten und wird oft mit Tabak gemischt. Was das für Rauch und Wirkung bedeutet, beschreibt unser Beitrag zum Unterschied zwischen Gras und Haschisch. Für Passivrauch gilt in jedem Fall: Menge, Dauer und Raumgröße wiegen schwerer als die Sorte.
Warum Alltagssituationen meist anders aussehen
Im Alltag raucht selten jemand stundenlang in einem luftdichten Raum. Auf einer Party steht meist ein Fenster offen. Auf dem Balkon oder im Park ist der Luftaustausch unbegrenzt. In solchen Situationen nehmen Nichtraucher nur Spuren von THC auf. Eine spürbare Wirkung bleibt aus. Die Konzentration im Blut liegt unter dem, was Labore überhaupt sicher messen können.
Wenn du dich nach einem Abend mit Rauchern trotzdem anders fühlst, gibt es dafür oft andere Erklärungen. Wenig Schlaf, Alkohol, stickige Luft oder Erwartungshaltung können ähnliche Empfindungen auslösen. Auch der intensive Geruch von Cannabis kann Unwohlsein verursachen. Das ist unangenehm, aber kein Rausch durch THC.
Kann passiver Cannabiskonsum nachweisbar sein?
Für viele Menschen ist nicht die Wirkung das Hauptproblem, sondern ein möglicher Drogentest. Arbeitgeber, Behörden oder die Polizei testen auf THC oder seine Abbauprodukte. Die Sorge ist verständlich: Kann ein Abend im verrauchten Zimmer zu einem positiven Test führen? Die Antwort hängt vom Testverfahren, vom Grenzwert und vom Zeitpunkt der Probe ab.
Die Studien der Johns Hopkins University haben auch diese Frage untersucht. In der unbelüfteten Kammer lieferten einige Nichtraucher in den ersten Stunden positive Urintests. Der Grenzwert dieser Tests lag bei 20 Nanogramm pro Milliliter. Bei dem üblicheren Grenzwert von 50 Nanogramm pro Milliliter fiel kaum ein Test positiv aus. Mit Belüftung war kein einziger Urintest positiv. Passivrauch kann also unter extremen Bedingungen kurzfristig nachweisbar sein. Unter Alltagsbedingungen ist das sehr unwahrscheinlich.
Wie lange THC und seine Abbauprodukte im Körper bleiben, unterscheidet sich stark zwischen aktivem und passivem Konsum. Bei Passivrauch ist die aufgenommene Menge gering. Der Körper baut sie schnell ab. Ein positiver Test ist deshalb nur im Zeitraum kurz nach der Belastung denkbar, in der Regel innerhalb weniger Stunden.
Blut, Urin und Speichel unterscheiden
Ein Bluttest misst aktives THC. Das ist der Wert, der bei Verkehrskontrollen entscheidend ist. Passivrauch führt selbst unter Extrembedingungen nur zu sehr niedrigen Blutwerten. In der unbelüfteten Kammer lagen die Spitzenwerte der Nichtraucher deutlich unter denen der Raucher. Mit Belüftung waren die Werte kaum noch nachweisbar.
Ein Urintest sucht nach THC-COOH, dem wichtigsten Abbauprodukt von THC. Dieses Molekül bleibt bei regelmäßigem Konsum lange im Körper. Bei Passivrauch entsteht davon nur wenig. Positive Ergebnisse sind selten und nur bei niedrigen Grenzwerten wahrscheinlich. Wie lange die Nachweisbarkeit bei aktivem Konsum dauert, liest du im Artikel dazu, wie lange Cannabis und dessen Abbauprodukte im Urin nachweisbar sind.
Speicheltests weisen THC nach, das im Mundraum haftet. Sie reagieren auf frischen Konsum. Bei Passivrauch kann sich THC aus der Luft kurzzeitig auf der Mundschleimhaut ablagern. In der Kammerstudie waren einige Speicheltests direkt nach der Belastung positiv. Nach wenigen Stunden waren sie wieder negativ. Ein Speicheltest im engen Zeitfenster nach starker Rauchbelastung ist also nicht völlig ausgeschlossen.
Warum ein Nachweis nicht automatisch eine Beeinträchtigung beweist
Ein positives Testergebnis zeigt nur, dass eine Substanz oder ihr Abbauprodukt vorhanden ist. Es sagt nichts darüber aus, ob eine Person tatsächlich berauscht oder eingeschränkt ist. Bei Passivrauch liegen die gemessenen Werte fast immer im untersten Bereich. Eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit ist bei solchen Werten nicht zu erwarten.
Im Straßenverkehr zählt in Deutschland seit August 2024 ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Dieser Wert soll ungefähr eine Wirkung wie 0,2 Promille Alkohol abbilden. Passivrauch unter normalen Bedingungen erreicht diesen Wert nicht. Trotzdem gilt: Ein Test ist ein Test. Wer ein positives Ergebnis erklären muss, hat im Zweifel Aufwand. Deshalb lohnt es sich, stark verrauchte Räume vor einer Fahrt zu meiden.
Wer sollte besonders geschützt werden?
Die bisherigen Aussagen beziehen sich auf gesunde Erwachsene. Für einige Gruppen gelten strengere Maßstäbe. Bei ihnen geht es nicht nur um die Frage, ob eine Wirkung eintritt. Cannabisrauch enthält wie Tabakrauch Verbrennungsprodukte, Feinstaub und Kohlenmonoxid. Diese Stoffe belasten die Atemwege unabhängig vom THC-Gehalt. Wer empfindlich ist, reagiert stärker darauf.
Das deutsche Cannabisgesetz greift diesen Gedanken auf. Es verbietet den Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Kindern und Jugendlichen. Zusätzlich gilt ein Abstand von 100 Metern zu Schulen, Kitas und Spielplätzen. Diese Regeln zielen auf den Schutz von Menschen, die sich dem Rauch nicht selbst entziehen können.
Kinder, Schwangere und empfindliche Personen
Kinder haben ein geringeres Körpergewicht und atmen schneller als Erwachsene. Die gleiche Rauchmenge belastet sie deshalb stärker. Ihr Gehirn entwickelt sich noch. THC kann in diese Entwicklung eingreifen. Dazu kommt, dass Kinder Passivrauch nicht einschätzen und nicht ausweichen können. Rauchen in ihrer Nähe ist deshalb nicht nur verboten, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht keine Option.
Für Schwangere gilt Ähnliches. THC passiert die Plazenta und erreicht das ungeborene Kind. Studien bringen Cannabiskonsum in der Schwangerschaft mit einem niedrigeren Geburtsgewicht in Verbindung. Auch der Rauch selbst mit seinen Verbrennungsprodukten ist ein Risiko. Menschen mit Asthma, COPD oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen reagieren ebenfalls empfindlich auf jede Form von Rauch. Für sie zählt weniger das THC als die Reizung der Atemwege.
Haustiere von Rauch und Produkten fernhalten
Hunde und Katzen reagieren deutlich empfindlicher auf THC als Menschen. Hunde besitzen mehr Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn. Schon geringe Mengen können bei ihnen Zittern, Erbrechen, Schläfrigkeit oder Gleichgewichtsstörungen auslösen. Passivrauch in einem kleinen Raum kann für ein Tier deshalb unangenehmer sein als für einen Erwachsenen im selben Raum.
Die größere Gefahr geht allerdings von Produkten aus. Ein Hund findet Blüten, Edibles oder Reste eines Joints und frisst sie. Cannabis-Kekse mit Schokolade sind doppelt problematisch, da Schokolade für Hunde giftig ist. Welche Risiken bei Edibles entstehen und wie lange die Wirkung anhält, beschreibt unser Beitrag zu Haschkekse-Wirkung. Bewahre THC-haltige Produkte deshalb verschlossen und außer Reichweite auf. Bei Vergiftungssymptomen ist der Tierarzt der richtige Ansprechpartner. Wer sich für Cannabinoide bei Tieren interessiert, findet im Artikel zu CBD für Hunde eine sachliche Einordnung. CBD ist etwas anderes als THC und erzeugt keinen Rausch.
So lässt sich Passivrauch vermeiden
Der einfachste Schutz vor Passivrauch ist eine räumliche Trennung. Wer raucht, tut das dort, wo andere nicht mitatmen müssen. Das klingt banal, ist aber der einzige Weg, der wirklich zuverlässig funktioniert. Filter, Lüften oder Geruchsneutralisierer verringern die Belastung. Sie beseitigen sie nicht.
Wenn du selbst konsumierst, lohnt sich ein Blick auf die Gewohnheiten. Rauchst du im Zimmer, obwohl ein Balkon vorhanden ist? Sitzen Nichtraucher regelmäßig mit dir im gleichen Raum? Kleine Änderungen im Ablauf entlasten dein Umfeld spürbar. Auch die Konsumform spielt eine Rolle. Ein Vaporizer erzeugt Dampf statt Rauch und gibt weniger Verbrennungsprodukte an die Luft ab. THC gelangt trotzdem in die Raumluft. Ein rauchfreier Raum ist damit nicht gegeben.
Nicht in Innenräumen oder im Auto konsumieren
Innenräume speichern Rauch. Selbst nach dem Lüften bleiben Rückstände an Wänden, Textilien und Möbeln. Fachleute nennen das Third-Hand-Smoke, also Rauchreste, die später wieder in die Luft gelangen. Kinder, die auf dem Teppich spielen, kommen damit in Kontakt. Ein Konsum im Freien vermeidet dieses Problem vollständig.
Das Auto ist der ungünstigste Ort für Cannabisrauch. Es ist klein, oft geschlossen und Mitfahrer können nicht ausweichen. Zusätzlich lagern sich Rauch und Geruch in Polstern und Lüftungsschächten ab. Wer später fährt, riskiert bei einer Kontrolle unnötige Diskussionen. Konsumiere deshalb nie im Fahrzeug, auch nicht bei geöffnetem Fenster oder auf dem Parkplatz.
Lüften ersetzt keinen rauchfreien Raum
Lüften senkt die THC-Konzentration in der Luft schnell. Die Studien zeigen das deutlich. Trotzdem ist Lüften keine Lösung für regelmäßiges Rauchen in Wohnräumen. Der Luftaustausch erreicht nicht alle Ecken. Rauch setzt sich in Textilien fest. Und während des Rauchens ist die Belastung im Raum ohnehin hoch, egal wie schnell später gelüftet wird.
Geruchsneutralisierer helfen bei einem anderen Problem. Sie binden Geruchsmoleküle und sorgen dafür, dass ein Raum nicht dauerhaft nach Cannabis riecht. Ein Produkt wie das Biodor Anti-Geruchsmittel arbeitet ohne starken Eigenduft und eignet sich für Wohnräume oder Autos. Wichtig ist die richtige Erwartung: Ein Geruchsneutralisierer entfernt Geruch, nicht THC oder Verbrennungsprodukte aus der Luft. Für Nichtraucher im Raum ändert er nichts an der Belastung während des Rauchens.
Als Übersicht lassen sich die Maßnahmen so einordnen:
- Im Freien konsumieren: verhindert Passivrauch zuverlässig.
- Lüften: senkt die Konzentration, beseitigt aber keine Rückstände.
- Aktivkohlefilter: mildern den Rauch für den Raucher, ändern wenig an der Raumluft.
- Geruchsneutralisierer: binden Gerüche, nicht den Wirkstoff.
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Passivrauchen im Alltag und im Straßenverkehr
Seit der Teillegalisierung im April 2024 ist Cannabisrauch im öffentlichen Raum sichtbarer geworden. Damit steigt auch die Zahl der Situationen, in denen Nichtraucher mit Rauch in Kontakt kommen. Die gute Nachricht: Im Freien ist eine Wirkung oder ein Nachweis praktisch ausgeschlossen. Die offene Frage ist eher die soziale. Wie geht man mit Rauch in Gemeinschaftsräumen, Mietwohnungen oder am Arbeitsplatz um?
Kann man passiv high werden, wenn der Nachbar auf dem Balkon raucht? Nein. Der Rauch verdünnt sich in der Außenluft sofort. Was bleibt, ist der Geruch. Der kann stören und Konflikte auslösen. Das Cannabisgesetz regelt Abstände zu Schulen und Spielplätzen. Für Balkone und Gärten gelten die allgemeinen Regeln des Mietrechts und der Rücksichtnahme. Gerichte haben bei Tabakrauch auf Balkonen teilweise zeitliche Beschränkungen festgelegt. Ähnliche Entscheidungen sind bei Cannabis denkbar.
Rücksicht, Hausordnung und Arbeitsumfeld
Viele Vermieter haben ihre Hausordnungen angepasst und den Konsum in Gemeinschaftsflächen wie Treppenhaus, Waschkeller oder Innenhof untersagt. Ein Blick in den Mietvertrag lohnt sich. In der eigenen Wohnung ist der Konsum in der Regel erlaubt. Rauch, der regelmäßig in Nachbarwohnungen zieht, kann aber als Belästigung gelten und Abmahnungen nach sich ziehen.
Am Arbeitsplatz gelten die Regeln des Arbeitgebers. Viele Betriebe untersagen den Konsum während der Arbeitszeit und in Pausen. Ein positiver Drogentest kann arbeitsrechtliche Folgen haben, unabhängig davon, wie das THC in den Körper gelangt ist. Wer in sicherheitsrelevanten Berufen arbeitet, sollte stark verrauchte Räume deshalb konsequent meiden. Auch hier gilt: Der Nachweis durch Passivrauch ist unwahrscheinlich, aber unter extremen Bedingungen nicht unmöglich.
Bei Unsicherheit nicht selbst fahren
Nach einem Abend in einem stark verrauchten Raum stellt sich die Frage, ob du noch fahren darfst. Rechtlich zählt der Blutwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Serum. Passivrauch erreicht diesen Wert unter normalen Bedingungen nicht. Trotzdem gibt es einen zweiten Aspekt: Fühlst du dich fit? Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Benommenheit durch stickige Luft beeinträchtigen dich, auch wenn kein THC im Spiel ist.
Wer sich unsicher ist, kann vor der Fahrt einen Test machen. Ein THC-Speichel-Schnelltest mit einem Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter liefert innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis. Ein solcher Test ersetzt keine Blutuntersuchung und ist kein rechtlicher Beweis. Er gibt aber eine Orientierung. Fällt er positiv aus oder fühlst du dich nicht klar, lass das Auto stehen. Bus, Taxi oder eine Übernachtung sind die einfachere Lösung als eine Diskussion bei der Verkehrskontrolle.
Zusammengefasst ist Passivrauch von Cannabis ein reales, aber begrenztes Thema. Eine Wirkung entsteht nur bei extremer Belastung in geschlossenen Räumen. Ein Nachweis ist unter Alltagsbedingungen unwahrscheinlich. Der wichtigste Punkt bleibt der Schutz von Kindern, Schwangeren, empfindlichen Personen und Tieren. Wer im Freien konsumiert und Innenräume rauchfrei hält, vermeidet die meisten Probleme von vornherein.
Häufige Fragen
Ein Aktivkohlefilter sitzt im Joint und filtert einen Teil der Schadstoffe aus dem Rauch, den die rauchende Person einatmet. Auf die Raumluft hat er wenig Einfluss, weil der meiste Passivrauch direkt vom glühenden Ende aufsteigt. Nichtraucher im Raum profitieren also kaum davon. Wer andere schützen will, konsumiert im Freien oder in einem Raum, in dem sich niemand sonst aufhält.
Beide Rauchsorten enthalten ähnliche Verbrennungsprodukte wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Teerstoffe. Cannabisrauch enthält zusätzlich THC, Tabakrauch dagegen Nikotin. Ein klarer Sieger lässt sich nicht benennen, weil die Belastung vor allem von Menge, Dauer und Raumgröße abhängt. Da Cannabis meist in kleineren Mengen geraucht wird als Tabak, ist die Gesamtbelastung im Alltag oft geringer.
Nur unter sehr ungünstigen Bedingungen. In einer Studie saßen Nichtraucher eine Stunde lang mit sechs Rauchern in einer luftdichten Kammer, in der insgesamt 60 Joints geraucht wurden. Erst dabei zeigten sie eine leichte Wirkung und messbares THC im Blut. Sobald ein Fenster offen ist oder der Raum größer als ein Auto ist, bleibt die aufgenommene Menge so gering, dass du keine Wirkung spürst.
Im Freien verdünnt sich der Rauch innerhalb von Sekunden in der Umgebungsluft. Du nimmst dabei höchstens Spuren von THC auf, die weder wirken noch in einem Test auffallen. Was du wahrnimmst, ist der Geruch der Terpene, und der kann bei empfindlichen Menschen Unwohlsein auslösen. Ein paar Meter Abstand reichen aus, damit auch der Geruch verschwindet.
Deutlich kürzer als nach aktivem Konsum, weil der Körper nur eine winzige Menge abbauen muss. Speicheltests können in den ersten zwei bis drei Stunden nach starker Rauchbelastung anschlagen. Im Urin fielen in Extremversuchen einzelne Tests mit niedrigem Grenzwert von 20 Nanogramm pro Milliliter bis zu etwa einem Tag positiv aus. Mit dem üblichen Grenzwert von 50 Nanogramm pro Milliliter und normaler Belüftung ist ein positiver Test praktisch nicht zu erwarten.
Rauche nie in der Wohnung oder im Auto, auch nicht bei offenem Fenster. Rauchreste setzen sich in Kleidung, Haaren und Polstern fest und gelangen später wieder in die Luft, weshalb sich Händewaschen und ein Kleidungswechsel nach dem Konsum lohnen. Bewahre Blüten, Edibles und Reste verschlossen und außer Reichweite auf. Das Cannabisgesetz verbietet den Konsum in Gegenwart von Kindern ohnehin.