Pilze auf Stroh züchten: Anleitung für Stroh und Strohballen
Inhaltsverzeichnis

Die Pilzzucht auf Stroh eignet sich deshalb gut für den Einstieg. Ein Beutel mit beimpftem Stroh auf dem Balkon oder ein Eimer im Keller liefert oft schon nach vier bis sechs Wochen die ersten Seitlinge.
Damit das klappt, müssen Pilzart, Substrat und Umgebung zusammenpassen. Du erfährst hier, welche Arten auf Stroh wachsen, wie du das Material vorbereitest und wie du die Kultur durch Durchwachs- und Fruchtungsphase begleitest. Danach erkennst du gesundes Myzel, weißt, wann du ernten kannst, und weißt, wann du eine Kultur besser entsorgst.

Welche Pilze eignen sich für Stroh?
Stroh besteht hauptsächlich aus Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Das sind die Gerüststoffe von Getreidehalmen. Ein Pilz muss diese Stoffe mit eigenen Enzymen aufschließen können. Nicht jede Zuchtart schafft das gleich gut. Manche Arten wachsen auf Stroh nur langsam oder gar nicht.
Gut geeignet sind sogenannte Primärzersetzer mit schnellem Wachstum. Sie besiedeln frisches Pflanzenmaterial zügig und verdrängen dabei Konkurrenten wie Schimmelpilze. Genau dieses Tempo macht Stroh für Anfänger attraktiv. Ein schnell durchwachsener Beutel ist weniger anfällig für Kontamination als ein Substrat, das wochenlang halb besiedelt bleibt.
Holzbewohner wie Shiitake oder Reishi fühlen sich auf reinem Stroh dagegen nicht wohl. Sie brauchen Sägespäne oder Stammholz. Für solche Arten passt die Anleitung zum Pilze auf Holz züchten im Garten und auf dem Balkon besser. Eine Ausnahme unter den Nicht-Seitlingen ist der Kulturträuschling, auch Braunkappe genannt. Er wächst gut in Strohbeeten im Freien.
Seitlinge als typische Strohbewohner
Seitlinge der Gattung Pleurotus sind die Klassiker für Strohkulturen. Der Austernseitling ist die bekannteste Art. Er wächst zuverlässig, verträgt Temperaturschwankungen und fruchtet auch bei kühlen Bedingungen. Der Lungenseitling, oft als Sommerausternseitling verkauft, ähnelt ihm stark. Er mag es etwas wärmer und fruchtet auch im Sommer ohne Kältereiz.
Rosenseitling und Limonenseitling sind farbenfrohe Varianten für warme Räume. Beide wachsen sehr schnell, halten sich nach der Ernte aber nur kurz. Der Kräuterseitling ist ebenfalls ein Seitling, verhält sich aber anders. Er bildet auf reinem Stroh nur kleine Fruchtkörper. Für dicke Stiele braucht er ein angereichertes Substrat. Für den ersten Versuch bleibst du besser beim Austern- oder Lungenseitling.
Pilzart und Temperaturbereich gemeinsam wählen
Jede Art hat einen Temperaturbereich für das Durchwachsen und einen für die Fruchtung. Beide Bereiche müssen zu deinem Standort passen. Ein Rosenseitling im kühlen Keller wächst kaum. Ein Austernseitling bei 28 Grad Celsius im Sommer bildet keine oder verkrüppelte Fruchtkörper. Die Temperatur bestimmt also stärker als jede andere Größe, welche Art du wählst.
Prüfe vor dem Kauf der Brut, wie warm es an deinem Zuchtplatz ist. Ein einfaches Thermometer über zwei Wochen reicht. Dann wählst du die Art danach aus. Die folgende Übersicht zeigt grobe Richtwerte, die je nach Stamm leicht abweichen können.
| Pilzart | Durchwachsen | Fruchtung |
|---|---|---|
| Austernseitling | 20 bis 25 Grad Celsius | 10 bis 20 Grad Celsius |
| Lungenseitling | 22 bis 27 Grad Celsius | 18 bis 26 Grad Celsius |
| Rosenseitling | 25 bis 30 Grad Celsius | 22 bis 30 Grad Celsius |
| Limonenseitling | 24 bis 28 Grad Celsius | 20 bis 28 Grad Celsius |
| Kulturträuschling | 20 bis 27 Grad Celsius | 12 bis 22 Grad Celsius |
Welches Stroh eignet sich?
Für die Pilzzucht nutzt du Getreidestroh. Weizenstroh ist am weitesten verbreitet und funktioniert zuverlässig. Roggen, Gerste und Hafer eignen sich ebenfalls. Rapsstroh ist holziger und wird langsamer besiedelt. Heu ist ungeeignet, obwohl es ähnlich aussieht. Heu enthält viel mehr Nährstoffe und Zucker. Darauf wachsen Schimmel und Bakterien schneller als das Pilzmyzel.
Die Qualität des Strohs entscheidet mit über den Erfolg. Altes, feucht gelagertes Stroh bringt bereits Schimmelsporen und Bakterien mit. Eine spätere Behandlung reduziert diese Belastung, beseitigt sie aber nicht vollständig. Je sauberer der Ausgangsstoff, desto weniger Konkurrenz hat dein Pilz.
Bezugsquellen sind Landwirte, Reiterhöfe, Raiffeisenmärkte und Zooläden. Kleine Mengen bekommst du als Kleintierstreu. Für größere Projekte lohnt der Kontakt zu einem Bauern in der Nähe. Dort erfährst du auch, wie das Getreide angebaut wurde. Wer die Pilzzucht auf Stroh langfristig betreiben will, sucht sich am besten eine feste Quelle mit gleichbleibender Qualität.
Sauberes, trockenes und unbehandeltes Material verwenden
Gutes Stroh ist goldgelb, knistert beim Anfassen und riecht neutral nach Getreidefeld. Graue oder schwarze Flecken deuten auf Schimmel hin. Ein muffiger oder süßlicher Geruch ist ein Ausschlusskriterium. Auch stark zerbröselndes Stroh solltest du meiden. Es war meist zu lange dem Wetter ausgesetzt.
Unbehandelt bedeutet: keine Fungizide und keine Halmverkürzer aus der Spätbehandlung des Getreides. Fungizidrückstände können das Myzel hemmen. Bio-Stroh ist hier die einfachste Wahl. Bei konventionellem Stroh hilft die Nachfrage beim Landwirt. Lagere das Stroh bis zur Verwendung trocken und luftig. Ein feuchter Keller ist kein guter Lagerplatz.
Stroh, Pellets und Strohballen vergleichen
Loses Stroh musst du zerkleinern und befeuchten. Dafür ist es billig und in jeder Menge verfügbar. Strohpellets sind gepresstes, gemahlenes Stroh. Beim Pressen entstehen Temperaturen, die einen Teil der Keime abtöten. Pellets quellen mit heißem Wasser auf und sind dann direkt beimpfbar. Sie eignen sich gut für kleine Mengen in der Wohnung.
Ganze Strohballen kommen im Freien zum Einsatz. Du beimpfst sie ohne Behandlung und lässt die Natur mitarbeiten. Das ist einfach, aber weniger planbar. Regen, Schnecken und Wildpilze mischen mit. Wie du dafür einen passenden Platz findest, beschreibt der Beitrag zum Pilze im Garten züchten mit passender Art und passendem Standort.
- Loses Stroh: günstig, flexibel, braucht Zerkleinerung und Behandlung
- Strohpellets: sauber, kompakt, ideal für Beutel und Eimer in Innenräumen
- Strohballen: nur für draußen, kaum Vorbereitung, geringere Kontrolle
Wie bereitest du das Substrat vor?
Die Vorbereitung hat zwei Ziele. Erstens soll das Stroh so viel Wasser aufnehmen, dass das Myzel darin wachsen kann. Trockenes Stroh kann ein Pilz nicht besiedeln. Zweitens sollen konkurrierende Organismen so weit reduziert werden, dass dein Pilz einen Vorsprung hat. Beides erreichst du mit Zerkleinern, Befeuchten und einer Hitze- oder Kalkbehandlung.
Ein häufiger Fehler ist zu nasses Substrat. Wenn Wasser unten im Behälter steht, entstehen sauerstoffarme Zonen. Dort vermehren sich Bakterien und das Stroh beginnt zu faulen. Zu trockenes Stroh ist ebenfalls ein Problem. Das Myzel wächst dann nur an der Oberfläche und stockt in der Mitte.
Plane für die Vorbereitung einen halben Tag ein. Du brauchst eine große Wanne oder einen Kessel, Wasser, eine Möglichkeit zum Abtropfen und saubere Arbeitsflächen. Wer ohne fertiges Set arbeitet, sollte die Reihenfolge der Schritte vorher durchgehen. Der Ratgeber zum Pilze ohne Zuchtset selber züchten hilft bei der Planung des Ablaufs.
Stroh zerkleinern und gleichmäßig befeuchten
Zerkleinere die Halme auf etwa 5 bis 10 Zentimeter. Kurze Stücke liegen dichter, speichern Wasser besser und lassen sich gleichmäßiger beimpfen. Ein Gartenhäcksler erledigt das schnell. Für kleine Mengen genügt eine Heckenschere oder ein Rasenmäher mit Fangkorb. Lange Halme funktionieren zwar auch, das Myzel braucht dann aber länger.
Beim Befeuchten zielst du auf einen Wassergehalt von etwa 65 bis 75 Prozent. Das prüfst du mit der Faustprobe. Nimm eine Handvoll Stroh und drücke sie kräftig zusammen. Es sollten nur wenige Tropfen herauslaufen. Läuft ein Rinnsal, muss das Stroh länger abtropfen. Bleibt die Hand trocken, braucht es mehr Wasser. Lass eingeweichtes Stroh mindestens 30 Minuten in einem Sieb oder Netz abtropfen.
Behandlungsmethode an Kultur und Menge anpassen
Die gängigste Methode ist das Pasteurisieren im heißen Wasser. Du hältst das Stroh 1 bis 2 Stunden bei 65 bis 80 Grad Celsius. Ein Küchenthermometer hilft beim Kontrollieren. Über 80 Grad tötest du auch nützliche Bakterien ab, die später Schimmel unterdrücken. Unter 60 Grad überleben zu viele Keime. Für 5 bis 10 Kilogramm Stroh reicht ein großer Einkochtopf oder ein Maischekessel.
Die zweite Methode ist das Kaltwasser-Kalkbad. Du löst rund 5 Gramm Löschkalk, also Calciumhydroxid, pro Liter Wasser auf. Der pH-Wert liegt dann über 12. Das Stroh bleibt 12 bis 24 Stunden untergetaucht. Der hohe pH-Wert schädigt viele Konkurrenten, das Seitlingsmyzel verträgt ihn gut. Löschkalk reizt Haut und Augen. Trage beim Anrühren Nitrilhandschuhe und eine Schutzbrille. Diese Methode braucht keinen Herd und eignet sich für größere Mengen.
Strohpellets behandelst du am einfachsten. Du übergießt sie mit kochendem Wasser und lässt sie im geschlossenen Behälter aufquellen. Als Richtwert gelten etwa 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Kilogramm Pellets. Nach dem Abkühlen prüfst du die Feuchte wieder mit der Faustprobe. Strohballen im Freien wässerst du nur gründlich, eine Behandlung entfällt.
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Wie bringst du die Pilzbrut ein?
Pilzbrut ist Myzel, das bereits auf einem Trägermaterial wächst. Meist ist das Getreide wie Roggen oder Hirse, manchmal auch Sägespäne. Du kaufst die Brut fertig oder stellst sie aus einer Flüssigkultur selbst her. Für den Anfang ist gekaufte Körnerbrut die sichere Wahl. Sie enthält viele Impfpunkte, von denen das Myzel ins Stroh wächst.
Die Menge hängt vom Feuchtgewicht des Substrats ab. Üblich sind 5 bis 10 Prozent. Für 10 Kilogramm feuchtes Stroh brauchst du also 500 Gramm bis 1 Kilogramm Brut. Mehr Brut bedeutet schnelleres Durchwachsen und weniger Kontaminationsrisiko. Weniger Brut spart Geld, verlängert aber die kritische Phase.
Frische Brut erkennst du an dichtem, weißem Myzel und einem angenehmen Pilzgeruch. Gelbliche Flüssigkeit oder grüne Stellen im Brutbeutel sind Warnzeichen. Lagere die Brut bis zum Einsatz im Kühlschrank und verwende sie innerhalb weniger Wochen.
Abgekühltes Material sauber beimpfen
Das behandelte Stroh muss auf unter 30 Grad Celsius abkühlen, bevor die Brut hineinkommt. Zu heißes Substrat tötet das Myzel. Prüfe die Temperatur in der Mitte des Haufens, nicht nur am Rand. Nach dem Kalkbad entfällt dieses Warten, das Stroh ist bereits kühl.
Sauberkeit ist jetzt wichtiger als in jedem anderen Schritt. Nach der Behandlung ist das Stroh keimarm, aber die Umgebung ist es nicht. Wische Arbeitsflächen mit 70-prozentigem Alkohol ab. Wasche die Hände gründlich oder trage frische Handschuhe. Arbeite bei geschlossenen Fenstern und ohne Zugluft. Ziehe Haustiere und Zimmerpflanzen für diese Stunde aus dem Raum. Je weniger Sporen in der Luft, desto besser.
Brut gleichmäßig verteilen und Behälter schließen
Mische die Brut in mehreren Portionen unter das Stroh. Am einfachsten geht das schichtweise. Du füllst eine Handbreit Stroh in den Behälter, streust Brut darüber und wiederholst das. Anschließend drückst du das Material leicht an. Es soll kompakt liegen, aber nicht gepresst sein. Luftkanäle braucht das Myzel zum Atmen.
Als Behälter eignen sich stabile Plastikbeutel, Eimer mit Deckel oder Pflanzsäcke. Stich in Beutel und Eimer alle 10 bis 15 Zentimeter kleine Löcher. Dort kommt Luft hinein und später wachsen die Pilze heraus. Ein Filterpflaster oder Mikroporenband über den Löchern hält Sporen fern, lässt aber den Gasaustausch zu. Beschrifte jeden Behälter mit Art und Datum.
Wie läuft die Durchwachsphase ab?
Nach dem Beimpfen beginnt die Durchwachsphase, auch Inkubation genannt. Das Myzel wächst von den Brutkörnern aus ins Stroh. Zuerst siehst du weiße Punkte, dann feine Fäden, schließlich einen zusammenhängenden weißen Filz. Bei Seitlingen dauert das je nach Temperatur und Brutmenge 2 bis 4 Wochen. Pellets sind meist schneller durchwachsen als grobes Stroh.
In dieser Zeit passiert im Behälter viel. Das Myzel produziert Wärme und Kohlendioxid. Die Temperatur im Substrat kann 3 bis 5 Grad über der Raumtemperatur liegen. Bei großen Beuteln kann es in der Mitte zu heiß werden. Beutel mit mehr als 10 Kilogramm sollten deshalb nicht dicker als 30 Zentimeter sein.
Die Pilzzucht auf Stroh verlangt in dieser Phase vor allem Geduld. Häufiges Öffnen und Umlagern stört das Myzel und bringt neue Keime hinein. Ein Blick durch den Beutel oder ein kurzes Anheben des Deckels alle paar Tage reicht.
Kultur ungestört und passend temperiert lagern
Der Lagerplatz sollte die Temperatur aus der Tabelle oben halten. Für Austernseitlinge sind 20 bis 25 Grad Celsius ideal. Licht ist in dieser Phase nicht nötig, schadet in geringer Menge aber auch nicht. Ein Schrank, eine Abstellkammer oder ein Regal im Keller funktionieren gut. Für Kellerräume gelten eigene Anforderungen an Feuchtigkeit und Luftqualität. Der Ratgeber zum Pilze im Keller züchten geht darauf im Detail ein.
Halte Fliegen und Trauermücken fern. Sie legen Eier in feuchtes Substrat, und die Larven fressen das Myzel. Ein Fliegengitter am Fenster oder ein geschlossener Schrank reichen meist aus. Wenn sich Kondenswasser im Beutel sammelt, ist das normal. Steht dagegen Wasser am Boden, kippst du es vorsichtig ab.
Gesundes Myzel und Kontamination unterscheiden
Gesundes Seitlingsmyzel ist rein weiß. Es kann fein und spinnwebartig oder dicht und watteartig aussehen. Beides ist normal. Es riecht frisch nach Pilz oder nach Wald. An Druckstellen kann es gelblich werden, das ist ebenfalls unbedenklich. Auch kleine bräunliche Flüssigkeitstropfen auf dem Myzel sind kein Grund zur Sorge.
Kontamination zeigt sich in Farben. Grüne oder blaugrüne Flecken stammen meist von Trichoderma oder Penicillium, also Schimmelpilzen. Schwarze Punkte deuten auf Aspergillus hin. Orangefarbene, schnell wachsende Beläge kommen oft von Neurospora. Graue, schleimige Stellen mit saurem oder fauligem Geruch sind bakteriell. Alle diese Zeichen bedeuten: Der Behälter kommt nach draußen und in den Müll oder auf den Kompost. Eine Rettung durch Herausschneiden gelingt nur selten und ist bei Beuteln nicht praktikabel.
Fruchtung, Ernte und Fehler
Ist das Stroh vollständig weiß durchwachsen, leitest du die Fruchtung ein. Der Pilz braucht jetzt ein Signal, dass es Zeit ist, Fruchtkörper zu bilden. Bei Austernseitlingen ist das ein Temperaturabfall um 5 bis 10 Grad, mehr Frischluft, Licht und hohe Luftfeuchtigkeit. Lungen- und Rosenseitlinge reagieren vor allem auf Frischluft und Licht, den Kältereiz brauchen sie nicht.
Nach wenigen Tagen erscheinen an den Löchern kleine Knubbel. Das sind die Primordien, die Anlagen der Pilze. Aus ihnen entwickeln sich innerhalb von 5 bis 8 Tagen erntereife Fruchtkörper. Ein Strohbeutel liefert meist zwei bis drei Schübe im Abstand von ein bis zwei Wochen. Der erste Schub ist der größte. Danach nimmt der Ertrag ab, weil die Nährstoffe im Stroh zur Neige gehen.
Ernte, solange der Hutrand noch leicht nach unten gebogen ist. Sobald er sich nach oben wölbt und flach wird, gibt der Pilz Sporen ab. Die Sporenmenge in einem Wohnraum kann Atemwege reizen. Ernte den ganzen Büschel, indem du ihn am Ansatz drehst oder mit einem sauberen Messer abschneidest. Reste am Substrat entfernst du, damit sie nicht faulen. Das abgeerntete Stroh ist anschließend ein guter Kompostzusatz. Wer den Einstieg mit anderen Substraten vergleichen möchte, findet im Beitrag zum Pilze selbst züchten zu Hause weitere Wege.
Frischluft, Licht und Feuchtigkeit abstimmen
Frischluft ist der wichtigste Faktor der Fruchtung. Das Myzel hat den Behälter mit Kohlendioxid gefüllt. Bei zu viel CO2 bilden Seitlinge lange Stiele und winzige Hüte. Öffne den Behälter deshalb weiter oder schneide die Beutellöcher größer. Ein Raum mit regelmäßigem Lüften oder ein kleiner Ventilator mit indirektem Luftstrom hilft. Der Luftstrom darf die Pilze aber nicht direkt treffen, sonst trocknen sie aus.
Licht braucht der Pilz nur zur Orientierung, nicht zur Ernährung. Indirektes Tageslicht oder eine einfache LED-Lampe für 8 bis 12 Stunden am Tag reichen. Ohne Licht wachsen die Fruchtkörper blass und unförmig. Direkte Sonneneinstrahlung erhitzt und trocknet das Substrat, deshalb ist ein Platz ohne direkte Sonne besser.
Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 85 und 95 Prozent liegen. In normalen Wohnräumen liegt sie oft bei 40 bis 60 Prozent. Junge Pilze trocknen dann aus und bekommen rissige Hüte. Besprühe die Umgebung mehrmals täglich mit Wasser, nicht die Pilze selbst. Eine Kiste mit feuchtem Perlit am Boden oder ein lose übergehängter, perforierter Beutel erhöhen die Feuchte um den Behälter. Ein Hygrometer zeigt dir, ob die Maßnahmen reichen.
Schimmel oder Fehlgeruch als Abbruchsignal behandeln
Auch in der Fruchtungsphase kann eine Kultur kippen. Grüne Flecken am Substrat, weißer Flaum auf den Pilzen selbst oder schleimige, gelbliche Stellen an den Hüten sind Zeichen dafür. Ein saurer, fauliger oder ammoniakartiger Geruch bestätigt den Befund. Gesunde Seitlinge riechen mild nach Anis oder frischem Pilz. Alles andere ist ein Grund, die Kultur zu beenden.
Verschließe den Behälter, trage ihn nach draußen und öffne ihn erst dort. So verteilst du keine Schimmelsporen in der Wohnung. Das Material kann auf den Kompost oder in den Biomüll. Reinige Regal, Wanne und Werkzeuge gründlich, bevor du die nächste Kultur ansetzt. Pilze aus einem befallenen Beutel solltest du nicht essen, auch wenn sie gesund aussehen.
Fehlschläge gehören zum Lernen dazu. Notiere bei jedem Ansatz Strohquelle, Behandlungsmethode, Brutmenge und Temperaturen. So findest du heraus, an welcher Stelle es gehakt hat. Meist liegt es an zu nassem Substrat, unsauberem Beimpfen oder zu hohen Temperaturen beim Durchwachsen. Mit jedem Durchgang wird die Pilzzucht auf Stroh planbarer, und die Erträge werden gleichmäßiger.
Häufige Fragen
Für Austern- und Lungenseitlinge reicht reines Stroh völlig aus. Zusätze wie Weizenkleie oder Kaffeesatz erhöhen den Nährstoffgehalt und können den Ertrag steigern, machen das Substrat aber deutlich anfälliger für Schimmel. Wenn du sie nutzen willst, mische höchstens 5 bis 10 Prozent bezogen auf das Trockengewicht bei und behandle das Substrat dann gründlicher, am besten durch Pasteurisieren bei 70 bis 80 Grad Celsius. Für den ersten Versuch bleibst du besser bei Stroh ohne Zusätze.
Ein zweites Beimpfen lohnt sich in der Regel nicht. Nach zwei bis drei Erntewellen hat das Myzel die leicht verfügbaren Nährstoffe aufgebraucht, und das Material ist meist bereits von Bakterien oder Fremdpilzen besiedelt. Du kannst durchwachsenes Stroh aber als Impfmaterial für ein Strohbeet im Garten nutzen. Dort mischst du es unter frisches, gewässertes Stroh und lässt das Myzel weiterwachsen.
Ja, ein Balkon eignet sich gut, solange der Standort schattig ist und die Kultur vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt steht. Für Austernseitlinge passen Frühjahr und Herbst mit 10 bis 20 Grad Celsius am besten. Im Sommer fruchten eher Lungen- oder Rosenseitlinge, im Winter stellst du die Beutel bei Frost besser in den Keller oder ins Treppenhaus. Ein Platz an der Nord- oder Ostseite hält die Temperatur gleichmäßiger und schützt vor Austrocknung.
Nein, abspülen ist nicht nötig und würde den Schutz durch den hohen pH-Wert wieder aufheben. Lass das Stroh nach dem Bad 1 bis 2 Stunden gut abtropfen, bis die Faustprobe nur noch wenige Tropfen zeigt. Der Kalk bleibt im Substrat und hemmt Konkurrenten weiter, während das Seitlingsmyzel den pH-Wert von 11 bis 12 verträgt. Wichtig ist nur, dass du das Kalkwasser nicht im Behälter stehen lässt.
Frische Seitlinge halten sich im Kühlschrank bei 2 bis 4 Grad Celsius etwa 3 bis 5 Tage. Lege sie in eine Papiertüte oder eine offene Schale, nicht in Plastik, sonst werden sie schnell schmierig. Rosen- und Limonenseitlinge verderben schneller und solltest du innerhalb von 1 bis 2 Tagen verarbeiten. Größere Mengen kannst du in Streifen schneiden, kurz anbraten und einfrieren oder bei etwa 50 Grad Celsius im Dörrgerät trocknen.
Aus einem Kilogramm trockenem Stroh erntest du bei Austernseitlingen meist 500 bis 1.000 Gramm frische Pilze, verteilt auf zwei bis drei Erntewellen. Die erste Welle bringt oft die Hälfte des Gesamtertrags. Ein Beutel mit 10 Kilogramm feuchtem Stroh entspricht etwa 3 Kilogramm Trockenmasse und liefert damit grob 1,5 bis 3 Kilogramm Pilze. Brutmenge, Temperatur und Luftfeuchtigkeit entscheiden darüber, ob du eher am unteren oder oberen Ende landest.