Vitalpilze | 5. September 2026 | 0 Kommentare

Pilze im Keller züchten: Voraussetzungen für eine saubere Kultur

pilze im keller züchten – Pilze im Keller züchten: Voraussetzungen für eine saubere Kultur

Ein Keller bringt für die Pilzzucht viel mit: Er ist kühl, dunkel und die Temperatur schwankt wenig. Genau diese Bedingungen mögen viele Speisepilze in der Fruchtungsphase. Wer Pilze im Keller züchten möchte, muss aber zwei Anforderungen unter einen Hut bringen. Die Kultur braucht hohe Luftfeuchtigkeit und frische Luft. Das Gebäude verträgt dauerhafte Feuchte dagegen schlecht. Ohne Plan entstehen Kondenswasser an den Wänden, Schimmel im Putz und Sporen auf den Vorräten.

Damit das nicht passiert, prüfst du zuerst den Raum, wählst dann eine passende Art und richtest einen abgegrenzten Zuchtbereich ein. Danach geht es um Klimasteuerung, Hygiene und den sauberen Neustart nach der Ernte. Nach dem Lesen kannst du einschätzen, ob dein Keller taugt, welche Werte du messen musst und wie du Kultur und Gebäude gleichzeitig schützt.

Infografik: Pilze im Keller züchten: Voraussetzungen für eine saubere Kultur

Eignet sich dein Keller für die Pilzzucht?

Nicht jeder Keller ist gleich. Ein alter Gewölbekeller mit Natursteinwänden bleibt oft das ganze Jahr bei 8 bis 14 Grad und ist von Natur aus feucht. Ein Neubaukeller mit Heizungsraum liegt eher bei 16 bis 22 Grad und ist trocken. Beide Varianten können funktionieren. Sie verlangen aber eine andere Artenwahl und ein anderes Klimakonzept.

Bevor du Substrat oder Brut kaufst, lohnt sich eine Bestandsaufnahme. Miss eine Woche lang Temperatur und Luftfeuchtigkeit am geplanten Standort. Achte auf Gerüche, Stockflecken und Kondenswasser an den Fenstern. Prüfe zudem, wofür der Raum sonst genutzt wird. Ein Vorratskeller mit Kartoffeln, Äpfeln und Einmachgläsern ist als Zuchtraum ungünstig, weil Pilzsporen und Feuchte die Lebensmittel belasten.

Wenn du noch keine Kultur betrieben hast, hilft dir der Überblick zum Thema Pilze selbst züchten beim Einstieg. Dort findest du die Grundlagen zu Substrat, Brut und Ablauf. Hier konzentrieren wir uns auf das, was der Keller als Standort verlangt.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit prüfen

Die Temperatur bestimmt, wie schnell das Myzel wächst und ob es Fruchtkörper bildet. Myzel ist das fadenförmige Pilzgeflecht im Substrat. In der Besiedlungsphase mag es meist 20 bis 25 Grad. Für die Fruchtung brauchen viele Arten einen Kältereiz und Werte zwischen 10 und 18 Grad. Ein kühler Keller passt also gut zur Fruchtung, aber oft nicht zur Besiedlung. Diese Phase kannst du in einem wärmeren Raum erledigen und die Kultur erst danach in den Keller stellen.

Liegt die Temperatur dauerhaft unter 8 Grad, passiert kaum etwas. Über 24 Grad wachsen Schimmel und Bakterien schneller als das Myzel. Miss deshalb nicht nur einmal, sondern mit einem Thermo-Hygrometer mit Minimum- und Maximum-Speicher über sieben Tage. Stelle das Gerät dort auf, wo später die Kultur steht, und nicht neben der Heizung oder dem Fenster.

Die Luftfeuchtigkeit in Kellern liegt meist zwischen 55 und 75 Prozent. Für die Fruchtung brauchen Pilze 85 bis 95 Prozent. Diesen Wert solltest du nie im ganzen Raum anstreben, sondern nur in einer kleinen Kammer. Der gemessene Raumwert zeigt dir dafür, wie viel Feuchte der Keller ohne Kultur schon mitbringt. Werte über 70 Prozent vor dem Start sind ein Warnsignal für spätere Kondensprobleme.

Frischluft, Licht und Sauberkeit bewerten

Pilze atmen Sauerstoff ein und geben Kohlendioxid ab. In einem Keller ohne Luftaustausch staut sich dieses Gas. Die Folge sind lange Stiele, kleine Hüte und verkümmerte Fruchtkörper. Prüfe, ob ein Fenster, ein Lichtschacht oder ein Lüftungsrohr vorhanden ist. Fehlt beides, brauchst du einen kleinen Lüfter, der Luft aus dem Treppenhaus oder von außen nachführt.

Licht spielt eine kleinere Rolle als bei Pflanzen. Pilze brauchen keine Sonneneinstrahlung und keine Sonnenstunden. Ein schwaches, indirektes Licht für 8 bis 12 Stunden am Tag reicht aus. Es hilft dem Myzel bei der Orientierung und sorgt für gut geformte Hüte. Eine einfache LED-Lampe an einer Zeitschaltuhr erledigt das in einem fensterlosen Keller.

Der dritte Punkt ist Sauberkeit. Ein Keller mit offenem Lehmboden, staubigen Holzregalen und muffigem Geruch trägt eine hohe Sporenlast. Diese Sporen konkurrieren mit deiner Kultur. Sichtbare Stockflecken an den Wänden zeigen zudem, dass das Gebäude bereits Feuchteprobleme hat. Solche Räume solltest du erst sanieren oder einen anderen Standort wählen.

Welche Pilze eignen sich für den Keller?

Die Artenwahl hängt vor allem von der Temperatur ab, die dein Keller in der Fruchtungsphase liefert. Ein kühler Altbaukeller passt zu anderen Arten als ein temperierter Neubaukeller. Der zweite Faktor ist der Aufwand beim Substrat. Strohbasierte Kulturen sind einfacher zu handhaben als Kompostkulturen.

Ein Wort zur Legalität: Speisepilze und Vitalpilze darfst du in Deutschland ohne Einschränkung anbauen. Psilocybinhaltige Arten fallen dagegen unter das Betäubungsmittelgesetz. Anbau, Besitz und Weitergabe sind verboten. Wenn dir die Begriffe im Handel unklar sind, hilft die Einordnung zu psilocybinhaltigen Pilzen und Sortenbegriffen. Alle Empfehlungen in diesem Text beziehen sich ausschließlich auf legale Speise- und Vitalpilze.

Neben den klassischen Speisepilzen wachsen auch einige Vitalpilze wie Reishi oder Hericium im Keller. Hericium, auch Igelstachelbart genannt, fruchtet bei 15 bis 20 Grad und mag hohe Luftfeuchtigkeit. Reishi braucht dagegen längere Zeit und wärmere Bedingungen. Für den Einstieg sind Speisepilze mit kurzer Kulturdauer die einfachere Wahl.

Champignons und Austernpilze einordnen

Der Champignon wächst auf gut verrottetem Kompost mit einer Schicht Deckerde. Er fruchtet bei 14 bis 18 Grad und braucht 85 bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Licht benötigt er kaum. Das passt gut zu einem dunklen Keller. Der Kompost bringt aber Geruch und zieht Trauermücken an. Zudem ist die Kultur empfindlicher gegenüber Kontaminationen. Für Anfänger ist der Champignon deshalb eher die zweite Wahl.

Der Austernpilz gilt als robuster. Er wächst auf Stroh, Sägespänen oder Kaffeesatz und besiedelt das Substrat schnell. Je nach Stamm fruchtet er zwischen 10 und 20 Grad. Er verzeiht kleine Fehler beim Klima. Zwei Dinge braucht er aber unbedingt: frische Luft und etwas Licht. Sonst bildet er lange, dünne Stiele mit winzigen Hüten. Ein weiterer Punkt ist die Sporenmenge. Reife Austernpilze geben viele Sporen ab, die die Atemwege reizen können. Ernte deshalb früh und lüfte gut.

Arten nach Temperaturbereich auswählen

Die folgende Übersicht ordnet gängige Arten nach der Temperatur, die sie in der Fruchtungsphase brauchen. Die Werte sind Richtwerte. Einzelne Stämme können abweichen, deshalb lohnt sich ein Blick auf die Angaben des Brutherstellers.

KellerklimaFruchtungstemperaturGeeignete Arten
Kalter Keller8 bis 14 GradWinterausternpilz, Kräuterseitling, kühle Shiitake-Stämme
Gemäßigter Keller14 bis 18 GradChampignon, Austernpilz, Hericium, Kräuterseitling
Warmer Keller18 bis 24 GradLungenseitling (Sommerauster), Limonenseitling, Rosenseitling

Passt der Keller nicht zur Wunschart, hast du zwei Möglichkeiten. Du wählst eine andere Art, oder du nutzt die Jahreszeit. Viele Keller sind im Winter deutlich kühler als im Sommer. Arten für kaltes Klima setzt du dann von November bis März an, warme Arten in den Sommermonaten. Manche Arten wie Shiitake oder Stockschwämmchen gedeihen ohnehin besser im Freien auf Holz. Dafür ist der Ratgeber zum Thema Pilze im Garten züchten die bessere Anlaufstelle.

Wie richtest du den Zuchtbereich ein?

Der wichtigste Grundsatz lautet: Du züchtest nicht im Keller, sondern in einer Kammer, die im Keller steht. Diese Fruchtkammer kann eine große Kunststoffbox mit Lüftungslöchern sein, ein kleines Gewächshauszelt oder ein Regal mit Folienverkleidung. Nur in diesem abgegrenzten Raum herrschen 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Der Rest des Kellers bleibt trocken.

Diese Trennung hat drei Vorteile. Du brauchst viel weniger Wasser, um die Luftfeuchtigkeit hochzuhalten. Die Wände des Gebäudes bleiben trocken. Und du kannst die Kammer nach jedem Durchgang komplett reinigen. Plane die Größe nach der Menge deiner Kulturen. Für zwei bis vier Substratblöcke reicht eine Box mit 60 bis 90 Litern.

Wenn du dein Substrat selbst mischen möchtest, findest du die Planung von Behältern, Mengen und Brut im Beitrag zum Thema Pilze ohne Zuchtset selber züchten. Hier geht es um die Einrichtung des Raumes rund um die Kammer.

Regale, Behälter und abwischbare Flächen

Verwende Regale aus Metall oder Kunststoff. Holzregale saugen Feuchtigkeit auf, verziehen sich und werden selbst zum Nährboden für Schimmel. Als Behälter eignen sich transparente Kunststoffboxen, weil du die Kultur beobachten kannst, ohne sie zu öffnen. Bohre Lüftungslöcher in die Seitenwände und decke sie mit Filtervlies oder Mikroporenband ab. So kommt Luft hinein, aber weniger Staub und Insekten.

Der Boden unter der Kammer sollte abwischbar sein. Fliesen, eine PVC-Matte oder eine Kunststoffwanne funktionieren gut. Eine flache Auffangwanne unter dem Regal fängt Tropfwasser auf und schützt den Boden. Auch die Wandfläche direkt hinter der Kammer sollte glatt und abwaschbar sein. Tapete, Holzverkleidung oder loser Putz sind hier fehl am Platz.

Halte den Bereich frei von allem, was Staub bindet oder Feuchte speichert. Kartons, Textilien und Papier gehören nicht in die Nähe der Kultur. Ein kleines Regalbrett für Sprühflasche, Hygrometer und Handschuhe reicht als Arbeitsablage aus.

Abstand zu Wänden und gelagerten Lebensmitteln

Stelle die Kammer mindestens 10 bis 20 Zentimeter von der Wand entfernt auf. Dieser Spalt lässt Luft zirkulieren und die Wand abtrocknen. Steht die Kammer direkt an einer kalten Außenwand, schlägt sich Feuchtigkeit hinter ihr nieder. Dort entsteht dann unbemerkt Schimmel. Wenn möglich, wähle eine Innenwand oder stelle die Kammer frei in den Raum.

Lebensmittel und Pilzkulturen gehören nicht in denselben Raum. Reife Pilze geben Sporen ab, die sich auf Obst, Gemüse und offenen Vorräten absetzen. Die hohe Luftfeuchtigkeit beim Öffnen der Kammer beschleunigt zudem Fäulnis bei Kartoffeln oder Äpfeln. Lagere Vorräte in einem anderen Kellerraum oder in dicht schließenden Behältern. Dasselbe gilt für Wäsche, die im Keller trocknet. Sie nimmt Feuchte und Sporen auf.

Auch Heizung, Waschmaschine und Trockner brauchen Abstand. Sie erzeugen Wärme oder Feuchte und stören das Klima in der Kammer. Ein ruhiger Raum ohne Durchgangsverkehr ist ideal.

Klima kontrollieren, ohne Schäden zu verursachen

Viele Kellerschäden bei der Pilzzucht entstehen durch einen einzigen Fehler: Der Züchter befeuchtet den ganzen Raum statt der Kammer. Ein Luftbefeuchter im Keller treibt die Raumfeuchte auf über 80 Prozent. An kalten Wänden, Rohren und Fenstern kondensiert dann Wasser. Innerhalb weniger Wochen zeigen sich Schimmelflecken und Rost.

Steuere das Klima deshalb in zwei Ebenen. In der Kammer hältst du die Feuchte hoch, im Raum niedrig. Dafür brauchst du zwei Hygrometer: eines in der Kammer, eines im Raum. Der Raumwert sollte dauerhaft unter 70 Prozent bleiben. Steigt er darüber, lüftest du oder stellst einen Luftentfeuchter in den Raum, nicht in die Kammer.

Luftfeuchtigkeit lokal steuern

In der Fruchtungsphase brauchen die meisten Arten 85 bis 95 Prozent Luftfeuchtigkeit in der Kammer. Ist die Luft zu trocken, vertrocknen die jungen Fruchtkörper, die sogenannten Pins. Die Hüte reißen auf und die Ernte fällt klein aus. Ist es zu nass, steht Wasser auf dem Substrat. Dann breiten sich Bakterien aus, die braune, schleimige Flecken hinterlassen.

Drei Methoden haben sich in kleinen Kammern bewährt. Du kannst zwei- bis dreimal täglich mit abgekochtem Wasser sprühen. Sprühe dabei die Wände der Kammer und die Luft, nicht direkt auf die Fruchtkörper. Alternativ legst du eine 3 bis 5 Zentimeter hohe Schicht feuchtes Perlit oder Blähton auf den Boden der Kammer. Dieses Material gibt Feuchte gleichmäßig ab. Die dritte Option ist ein kleiner Ultraschallvernebler mit Hygrostat, der die Feuchte automatisch hält.

Beobachte die Kultur täglich. Glänzende, straffe Hüte zeigen ein gutes Klima. Matte, rissige Hüte deuten auf Trockenheit hin. Tropfen auf den Fruchtkörpern bedeuten zu viel Wasser. Passe die Sprühmenge dann Schritt für Schritt an.

Lüften und Kondenswasser vermeiden

Frische Luft ist für Pilze so wichtig wie Feuchte. Öffne die Kammer zwei- bis dreimal täglich für einige Minuten oder betreibe einen kleinen Lüfter mit Zeitschaltuhr. Er läuft zum Beispiel alle zwei Stunden für fünf Minuten. So sinkt der Kohlendioxidgehalt, ohne dass die Feuchte zu stark abfällt. Nach dem Lüften sprühst du bei Bedarf nach.

Kondenswasser entsteht, wenn warme, feuchte Luft auf eine kalte Fläche trifft. Die Temperatur, bei der das passiert, heißt Taupunkt. Je feuchter die Luft, desto höher liegt er. Ein Beispiel: Bei 18 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit kondensiert Wasser bereits an Flächen mit etwa 12 Grad. Eine Kelleraußenwand im Winter hat oft genau diese Temperatur.

Die feuchte Luft aus der Kammer sollte deshalb nicht in den Raum entweichen, ohne dass du gegensteuerst. Lüfte den Keller nach dem Öffnen der Kammer kurz über das Fenster. Wenn ein Fenster fehlt, kann ein Abluftschlauch von der Kammer ins Treppenhaus oder nach außen helfen. Kontrolliere wöchentlich die kalten Stellen im Raum: Fensterlaibungen, Rohre, Außenwandecken und den Bereich hinter dem Regal. Sind sie feucht, musst du mehr lüften oder die Kammer versetzen.

Hygiene und Kontamination

Pilzsubstrat ist ein Nährboden. Es ernährt dein Myzel, aber genauso gerne Schimmelpilze, Bakterien und Trauermücken. In einem Keller ist die Sporenlast von Natur aus höher als in einer Küche. Deshalb ist Hygiene im Keller noch wichtiger als an anderen Standorten.

Der kritischste Moment ist das Beimpfen, also das Einbringen der Brut ins Substrat. Diesen Schritt solltest du nicht im Keller erledigen, sondern in einem sauberen Raum. Trage dabei Nitrilhandschuhe, die du vor dem Arbeiten desinfizierst. Sie sind puderfrei und lebensmittelecht und lassen sich nach jedem Arbeitsschritt wechseln. Wasch dir zusätzlich die Hände und trage saubere Kleidung, die nicht aus dem Keller stammt.

Zur Desinfektion von Flächen, Werkzeugen und Behältern eignet sich Alkohol. Ein Isopropanol-Reiniger mit 99,9 Prozent löst Rückstände und verdunstet ohne Spuren. Für die Desinfektion selbst wirkt eine Mischung mit Wasser auf etwa 70 Prozent besser. Reiner Alkohol verdunstet zu schnell, um Keime zuverlässig abzutöten. Mische also sieben Teile Isopropanol mit drei Teilen Wasser in einer Sprühflasche.

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Arbeitsbereich regelmäßig reinigen

Eine feste Routine verhindert, dass sich Sporen und Schmutz aufbauen. Wische vor jedem Arbeitsschritt die Ablagefläche und die Außenseite der Kammer ab. Einmal pro Woche leerst du die Auffangwanne, wischst den Boden der Kammer aus und erneuerst das Wasser in der Sprühflasche. Nutze für das Sprühen nur abgekochtes oder destilliertes Wasser, weil Leitungswasser in der Flasche nach wenigen Tagen verkeimt.

Vermeide es, Staub aufzuwirbeln. Fege den Keller nicht trocken, sondern wische ihn feucht. Halte Türen geschlossen, wenn im Treppenhaus oder Garten gearbeitet wird. Kontrolliere zudem die Filter an den Lüftungslöchern und tausche sie aus, wenn sie grau oder feucht sind.

Trauermücken erkennst du an kleinen schwarzen Fliegen, die aus dem Substrat aufsteigen. Ihre Larven fressen das Myzel. Gelbsticker in der Kammer zeigen dir früh, ob ein Befall beginnt. Bei starkem Befall entsorgst du den betroffenen Block und reinigst die Kammer gründlich.

Schimmel an Kultur und Gebäude unterscheiden

Nicht jede weiße Fläche ist ein Problem. Gesundes Myzel ist weiß, fein und filzig. Es breitet sich gleichmäßig aus und riecht angenehm nach Pilz. Schimmel sieht anders aus. Grüner, pudriger Belag stammt meist von Trichoderma. Schwarze oder rosafarbene Flecken deuten auf andere Schimmelarten hin. Bakterien zeigen sich als nasse, schleimige Stellen mit saurem Geruch.

Findest du solche Flecken auf einem Substratblock, entfernst du ihn sofort. Stecke ihn in einen Beutel, verschließe ihn im Keller und trage ihn dann nach draußen. Öffne den Beutel nicht im Raum, damit die Sporen nicht auf andere Kulturen übergehen. Bei kleinen Flecken kann eine Isolation des Blocks in einer separaten Box helfen. Sicherer ist die Entsorgung.

Schimmel am Gebäude sieht anders aus und hat eine andere Ursache. Er zeigt sich als dunkle, oft fleckige Fläche an Wandsockeln, in Ecken, hinter Regalen oder um Fenster. Der Grund ist fast immer Kondenswasser oder aufsteigende Feuchte. In diesem Fall pausierst du die Zucht und behebst die Ursache. Kleine Flächen bis zu einem halben Quadratmeter kannst du mit Alkohol behandeln und trocknen lassen. Bei größeren Flächen oder wiederkehrendem Befall solltest du einen Fachbetrieb hinzuziehen. Schimmelsporen können die Atemwege reizen, deshalb trägst du bei der Reinigung eine Maske.

Ernte und Neustart im Keller

Der richtige Erntezeitpunkt entscheidet über Geschmack, Haltbarkeit und Sauberkeit im Raum. Austernpilze erntest du, solange der Hutrand noch leicht nach unten gebogen ist. Sobald er sich flach oder nach oben wölbt, gibt der Pilz massenhaft Sporen ab. Champignons erntest du, bevor sich die Lamellen unter dem Hut öffnen. Ein Substratblock liefert meist zwei bis drei Ernteschübe, sogenannte Flushes, im Abstand von ein bis zwei Wochen.

Nach dem letzten Flush lässt die Kraft des Substrats nach. Fruchtkörper werden kleiner und Kontaminationen häufen sich. Spätestens dann ist ein Neustart fällig. Das bedeutet: Kammer leeren, reinigen, trocknen lassen und mit frischen Blöcken neu bestücken. Im Keller ist dieser Schnitt wichtiger als anderswo, weil alte Reste die Sporenlast im Raum dauerhaft erhöhen.

Reife Fruchtkörper sauber entnehmen

Wasch dir vor der Ernte die Hände oder zieh frische Handschuhe an. Fasse den Fruchtkörper oder das ganze Büschel am Stielansatz und drehe ihn mit leichtem Druck heraus. Alternativ schneidest du ihn mit einem sauberen Messer knapp über dem Substrat ab. Stielreste, die im Block bleiben, faulen schnell und ziehen Bakterien an. Entferne sie mit dem Messer.

Bei Austernpilzen empfiehlt sich eine Staubmaske, vor allem wenn du regelmäßig erntest. Die Sporen sind harmlos für das Substrat, können aber bei empfindlichen Menschen Husten oder Reizungen auslösen. Lüfte den Raum nach der Ernte kurz durch. Verarbeite die Pilze am selben Tag oder lagere sie im Kühlschrank in einer Papiertüte. In Plastik werden sie schnell schmierig.

Flächen prüfen und Kulturreste entsorgen

Nach dem letzten Flush räumst du die Kammer komplett aus. Nutze diesen Moment für eine Kontrolle des Raumes. Rücke das Regal ab und prüfe die Wand dahinter, den Boden darunter und die Ecken. Fühlt sich der Putz kühl und feucht an oder zeigen sich Flecken, musst du vor dem nächsten Durchgang mehr lüften oder den Standort ändern. Wische alle Flächen mit Alkohol ab und lass die Kammer ein bis zwei Tage offen trocknen.

Verbrauchtes, gesundes Substrat gehört auf den Kompost oder in die Biotonne. Im Garten kannst du es unter Mulch einarbeiten. Manche Blöcke bilden dort im Herbst noch einmal Fruchtkörper. Kontaminierte Blöcke mit grünem oder schwarzem Schimmel entsorgst du dagegen im verschlossenen Beutel über den Restmüll. Sie haben im Kompost nichts verloren, weil sich die Schimmelsporen dort weiter verbreiten.

Erst wenn Kammer und Raum sauber und trocken sind, startest du den nächsten Durchgang. Mit dieser Routine kannst du Pilze im Keller züchten, ohne dass der Raum darunter leidet. Du bekommst planbare Ernten und behältst gleichzeitig den Zustand deines Gebäudes im Blick.

pilze im keller züchten - ergänzendes Bild

Häufige Fragen

Braucht die Pilzzucht im Keller Strom oder eine Heizung?

Für die Fruchtungsphase kommst du in vielen Kellern ohne Heizung aus, weil 12 bis 18 Grad für Austernpilze oder Champignons reichen. Strom brauchst du meist nur für eine kleine LED-Lampe mit Zeitschaltuhr und einen Lüfter mit wenigen Watt. Die Besiedlung des Substrats bei 20 bis 25 Grad erledigst du besser in einem beheizten Wohnraum. Nur ein Ultraschallvernebler mit Hygrostat ist ein optionaler Stromverbraucher.

Kann man Steinpilze oder Pfifferlinge im Keller züchten?

Nein, diese Arten bilden eine Symbiose mit lebenden Baumwurzeln und wachsen nicht auf Substratblöcken. Sie heißen Mykorrhizapilze und lassen sich bisher nicht kontrolliert im Raum kultivieren. Im Keller funktionieren nur Arten, die totes Material zersetzen. Dazu zählen Austernpilze, Champignons, Kräuterseitlinge, Shiitake und Hericium.

Lohnt es sich, Pilze im Keller zu züchten?

Ein Substratblock mit 2 bis 3 Kilogramm liefert je nach Art insgesamt 500 bis 1.000 Gramm Austernpilze über zwei bis drei Ernteschübe. Fertige Blöcke kosten meist 15 bis 30 Euro, selbst gemischtes Strohsubstrat deutlich weniger. Finanziell lohnt sich das ab mehreren Blöcken pro Durchgang. Der größere Vorteil ist die Frische, denn Pilze aus dem eigenen Keller landen am Erntetag in der Pfanne.

Riecht die Pilzzucht im Keller unangenehm?

Gesundes Myzel auf Stroh oder Sägespänen riecht mild erdig und ist außerhalb der Kammer kaum wahrnehmbar. Champignonkompost riecht dagegen kräftig nach Pferdemist, vor allem in den ersten zwei Wochen. Ein saurer, fauliger oder muffiger Geruch ist ein Warnsignal für Bakterien oder Schimmel. In diesem Fall solltest du den Block prüfen und bei Befall entsorgen.

Welcher Pilz ist für Anfänger am einfachsten zu züchten?

Der Austernpilz gilt als einfachste Art für den Einstieg. Er wächst auf pasteurisiertem Stroh oder Kaffeesatz, besiedelt das Substrat in zwei bis drei Wochen und verträgt Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad. Kontaminationen setzen sich bei ihm seltener durch als beim Champignon. Als zweite Option bietet sich der Kräuterseitling an, der in kühlen Kellern gut fruchtet.

Wie lange dauert es im Keller bis zur ersten Ernte?

Mit einem fertig besiedelten Block siehst du nach dem Umzug in die Fruchtkammer meist nach 7 bis 14 Tagen erste Pins. Von dort bis zur Ernte dauert es weitere 5 bis 7 Tage. Startest du mit Brut und eigenem Substrat, kommen für die Besiedlung zwei bis vier Wochen dazu. Kühle Keller unter 12 Grad verlängern alle Phasen um einige Tage.

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