Vitalpilze | 5. September 2026 | 0 Kommentare

Pilze auf Holz züchten: Anleitung für Garten und Balkon

pilze auf holz züchten – Pilze auf Holz züchten: Anleitung für Garten und Balkon

Pilze auf Holz züchten ist die ursprünglichste Form der Pilzzucht. Du beimpfst frische Laubholzstämme mit Pilzbrut, lagerst sie schattig und feucht und erntest über mehrere Jahre. Der Aufwand konzentriert sich auf wenige Tage im Jahr. Dafür brauchst du Geduld, denn bis zur ersten Ernte vergehen je nach Art sechs Monate bis zwei Jahre.

Damit die Holzkultur klappt, müssen Pilzart, Holzart, Zeitpunkt und Standort zusammenpassen. Ein Fehler bei der Holzwahl lässt sich später nicht mehr korrigieren. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Arten sich eignen, welches Holz du nimmst, wie du Dübelbrut einsetzt und wie du die Stämme im Garten oder auf dem Balkon pflegst. Danach kannst du deine erste Holzkultur selbst planen und starten.

Infografik: Pilze auf Holz züchten: Anleitung für Garten und Balkon

Welche Pilze wachsen auf Holz?

Viele Speisepilze sind Holzzersetzer. Sie ernähren sich von Zellulose und Lignin, also den Bestandteilen, aus denen Holz besteht. Das Myzel, das fadenförmige Pilzgeflecht, durchzieht den Stamm über Monate. Erst wenn ein großer Teil des Holzes besiedelt ist, bildet der Pilz Fruchtkörper. Diese Fruchtkörper erntest du.

Nicht jeder Holzbewohner lässt sich kultivieren. Manche Arten leben in Symbiose mit lebenden Bäumen und wachsen nicht auf totem Holz. Andere wachsen so langsam, dass sich der Aufwand im Garten kaum lohnt. Für den Einstieg eignen sich Arten, die als Dübelbrut im Handel verfügbar sind und robust auf gängigen Laubhölzern wachsen.

Die Wahl der Art bestimmt viele weitere Entscheidungen. Sie legt fest, welches Holz du brauchst, wie lange die Durchwachszeit dauert und wann du ernten kannst. Einen Überblick über Arten und Standorte für den Freilandanbau findest du im Beitrag Pilze im Garten züchten.

Shiitake und Austernpilze als Kulturpilze

Der Shiitake (Lentinula edodes) ist der Klassiker der Stammkultur. Er wächst am besten auf Eiche, Buche, Hainbuche und Ahorn. Das Myzel braucht auf Stämmen etwa 12 bis 24 Monate, bis es den ersten Ertrag bringt. Dafür trägt ein Stamm dann oft vier bis sechs Jahre. Shiitake-Stämme lassen sich zudem gezielt zur Fruchtung anregen, was die Ernte planbarer macht.

Austernpilze (Pleurotus ostreatus) sind schneller und weniger anspruchsvoll. Sie besiedeln Buche, Pappel, Weide, Birke und Ahorn und fruchten häufig schon nach sechs bis zwölf Monaten. Der Austernpilz fruchtet vor allem im Herbst und Frühjahr nach Regen und kühlen Nächten. Er ist gut geeignet, wenn du schnell erste Erfolge sehen willst. Die Stämme sind allerdings meist nach zwei bis vier Jahren erschöpft, weil der Pilz das Holz zügig zersetzt.

Weitere geeignete Holzbewohner einordnen

Der Igelstachelbart (Hericium erinaceus) wächst auf Buche und Eiche. Er ist als Speisepilz bekannt und unter dem Namen Lion’s Mane als Vitalpilz verbreitet. Auf Stämmen fruchtet er meist nach ein bis zwei Jahren. Wer die Art zunächst kennenlernen möchte, findet sie als verarbeitetes Produkt, zum Beispiel als Lion’s Mane Pulver aus Fruchtkörpern. Die eigene Zucht auf Holz ist davon unabhängig ein reines Gartenprojekt für die Küche.

Der Reishi (Ganoderma lucidum) wächst ebenfalls auf Eiche und Buche, ist aber kein Speisepilz im klassischen Sinn. Seine Fruchtkörper sind hart und holzig. Wer ihn züchtet, verarbeitet ihn meist zu Tee oder Extrakt. Was Reishi und Hericium unterscheidet, erklärt der Beitrag Vitalpilze wie Reishi, Hericium und Chaga. Der Chaga wächst zwar auf Birken, lässt sich aber nicht sinnvoll auf gefällten Stämmen kultivieren. Er braucht lebende Bäume und viele Jahre.

Das Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) wächst gut auf Buche und Birke. Es hat einen gefährlichen Doppelgänger, den Gifthäubling (Galerina marginata). Dieser kann sich ungefragt auf denselben Stämmen ansiedeln. Für Anfänger ist das Stockschwämmchen deshalb keine gute Wahl. Bei Shiitake und Austernpilz ist das Verwechslungsrisiko deutlich geringer, trotzdem solltest du nur ernten, was du sicher erkennst.

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Welches Holz eignet sich?

Das Holz ist das Substrat und gleichzeitig der Nährstoffvorrat für Jahre. Der Pilz kann nur das verwerten, was im Stamm steckt. Deshalb entscheidet die Holzwahl über Ertrag und Lebensdauer der Kultur. Ein falscher Stamm bringt entweder gar nichts oder nur eine dünne Ernte.

Laubholz ist für fast alle Kulturpilze Pflicht. Nadelholz enthält Harze und Terpene, die das Myzel vieler Arten hemmen. Nur wenige Spezialisten wachsen auf Fichte oder Kiefer, und deren Brut ist selten im Handel. Für Shiitake, Austernpilz und Igelstachelbart bleibst du bei Laubholz.

Neben der Holzart zählen Zustand und Alter des Stammes. Der Pilz braucht Holz, das noch nicht von anderen Pilzen besiedelt ist. Lange abgelagertes Holz oder Totholz aus dem Wald ist fast immer schon von Wildpilzen durchzogen. Deine Kulturbrut hat dann kaum eine Chance.

Laubholzarten und Stammdurchmesser

Eiche gilt als beste Wahl für Shiitake. Sie hat viel Substanz und trägt lange, braucht aber die längste Durchwachszeit. Buche ist ein guter Kompromiss für fast alle Arten. Sie wird schneller besiedelt und trägt mehrere Jahre. Birke, Pappel, Weide und Erle sind weich und leicht. Der Pilz wächst darin schnell, die Stämme sind aber früher erschöpft. Obstbäume wie Apfel oder Kirsche eignen sich ebenfalls, wenn das Holz frisch ist.

Beim Durchmesser gelten 10 bis 25 Zentimeter als sinnvoll. Dünnere Stämme trocknen zu schnell aus und tragen kaum. Dickere Stämme sind schwer zu bewegen und brauchen sehr lange zum Durchwachsen. Eine Länge von 50 bis 100 Zentimetern ist gut handhabbar. Für den Balkon nimmst du besser kürzere Stücke von 30 bis 50 Zentimetern.

  • Shiitake: Eiche, Buche, Hainbuche, Ahorn
  • Austernpilz: Buche, Pappel, Weide, Birke, Ahorn
  • Igelstachelbart: Buche, Eiche
  • Reishi: Eiche, Buche

Frisches, unbehandeltes Holz verwenden

Das Holz sollte frisch geschlagen sein. Die Rinde muss vollständig und fest sitzen, denn sie schützt den Stamm vor Austrocknung und Fremdbesiedlung. Beschädigte Rindenstellen sind Eintrittspforten für Schimmel und Konkurrenzpilze. Achte darauf, dass die Stämme beim Transport nicht aufgeschürft werden.

Frisch gefälltes Holz beimpfst du nicht sofort. Lebendes Holz enthält Abwehrstoffe, die auch Kulturpilze bremsen. Nach zwei bis sechs Wochen Lagerung sind diese Stoffe weitgehend abgebaut. Länger als drei Monate sollte der Stamm aber nicht liegen. Sonst trocknet er aus oder Wildpilze siedeln sich an. Behandeltes Holz, Bauholz oder Holz aus der Nähe von Straßen mit Spritzmitteln kommt nicht in Frage.

Gute Quellen sind Baumpflegebetriebe, Forstämter mit Brennholzverkauf oder Nachbarn, die einen Baum fällen. Frage gezielt nach frischem Laubholz mit intakter Rinde. Wer keinen Zugang zu Stämmen hat, kann auf andere Substrate ausweichen. Der Beitrag Pilze ohne Zuchtset selber züchten zeigt Alternativen wie Stroh oder Holzpellets.

Wann startest du eine Holzkultur?

Der Zeitpunkt ist bei der Stammkultur wichtiger als bei Zuchtsets. Das Holz muss im richtigen Zustand sein, und das Myzel braucht milde Temperaturen für den Start. Wer im Hochsommer beimpft, riskiert ausgetrocknete Stämme. Wer im tiefen Winter beimpft, wartet lange auf das erste Wachstum.

Das Fällen und das Beimpfen sind zwei getrennte Termine. Am besten fällst du oder dein Lieferant das Holz in der Ruhephase des Baumes. Das ist die Zeit von Spätherbst bis zum Austrieb im Frühjahr. In dieser Phase ist der Zuckergehalt im Holz hoch und die Rinde sitzt fest. Beimpft wird dann einige Wochen später.

Zwei Zeitfenster haben sich bewährt. Das Frühjahr von März bis Mai bietet dem Myzel eine lange warme Wachstumsphase. Der Herbst von September bis Oktober funktioniert ebenfalls, das Myzel wächst dann über den Winter langsam weiter. Für Anfänger ist das Frühjahr einfacher, weil sich Fehler schneller zeigen.

Jahreszeit und Holzfeuchte beachten

Die Holzfeuchte ist der Faktor, den du am wenigsten siehst und der am häufigsten schiefgeht. Kulturpilze brauchen Holz mit etwa 35 bis 45 Prozent Feuchte. Frisch gefälltes Holz liegt darüber. Nach wenigen Wochen an einem schattigen Ort pendelt es sich in den passenden Bereich ein. Ausgetrocknetes Holz erkennst du an Rissen in den Schnittflächen und an sich lösender Rinde. Solche Stämme besiedelt das Myzel schlecht.

Eine einfache Kontrolle: Schneide eine dünne Scheibe vom Stammende ab. Ist das Holz innen noch leicht feucht und die Schnittfläche hell, passt der Zustand. Wirkt es grau, staubtrocken und rissig, war die Lagerung zu lang oder zu sonnig. Bei Trockenheit hilft es, den Stamm ein bis zwei Tage in Wasser zu legen, bevor du bohrst.

Standort im Garten vorbereiten

Der Standort braucht Schatten, Windschutz und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Direkte Sonneneinstrahlung trocknet die Rinde aus und schädigt das Myzel. Gut geeignet sind die Nordseite eines Gebäudes, der Platz unter dichten Hecken oder Bäumen sowie schattige Ecken hinter dem Gartenhaus. Mehr als zwei bis drei Sonnenstunden am Tag sollte der Platz nicht bekommen.

Auf dem Balkon gelten dieselben Regeln. Ein Nordbalkon oder eine schattige Ecke mit Sichtschutz funktioniert. Die Stämme stehen dort in einer Kiste oder einem Kübel mit feuchter Erde oder Rindenmulch. Wind ist auf dem Balkon oft stärker als im Garten, ein Jutesack oder Vlies über den Stämmen hält die Feuchtigkeit. Auf einem Südbalkon ohne Schatten ist die Stammkultur schwierig.

Bereite den Boden am Standort vor. Die Stämme sollen nicht direkt auf der Erde liegen, solange sie durchwachsen. Eine Lage Äste, Holzpaletten oder Ziegelsteine schafft Abstand zum Boden und hält Schnecken und Bodenpilze fern. Rechtlich ist die Zucht von Speisepilzen wie Shiitake oder Austernpilz unproblematisch. Sie fällt unter normalen Gartenbau.

Holzstämme mit Pilzbrut beimpfen

Das Beimpfen ist der Kern der Arbeit und dauert pro Stamm nur 15 bis 30 Minuten. Du bohrst Löcher in den Stamm, setzt die Brut ein und verschließt die Öffnungen. Danach übernimmt das Myzel. Sauberes Arbeiten ist wichtig, weil jede Öffnung im Holz eine Chance für Fremdpilze ist.

Als Brutform hat sich Dübelbrut durchgesetzt. Das sind Holzdübel aus Buche, die vollständig mit Myzel durchwachsen sind. Sie sind einfach zu lagern, leicht zu handhaben und schließen bündig mit dem Bohrloch ab. Körnerbrut, also mit Myzel durchwachsene Getreidekörner, ist für Stämme weniger praktisch und lockt Vögel und Mäuse an.

Die Brut muss frisch sein. Lagere sie bis zur Verwendung im Kühlschrank und verarbeite sie innerhalb weniger Wochen. Gesunde Dübelbrut ist weiß durchwachsen und riecht pilzig. Grüne, schwarze oder schleimige Stellen deuten auf Kontamination hin. Solche Brut solltest du nicht verwenden.

Bohrlöcher und Dübelbrut vorbereiten

Für gängige Dübel mit acht Millimetern Durchmesser brauchst du einen Holzbohrer mit acht bis neun Millimetern. Die Löcher bohrst du 30 bis 40 Millimeter tief, je nach Länge der Dübel. Ein Tiefenanschlag oder eine Markierung am Bohrer hilft. Der Dübel soll nach dem Einschlagen mit der Rinde abschließen und nicht herausstehen.

Die Löcher setzt du in Reihen entlang des Stammes. Innerhalb einer Reihe beträgt der Abstand 10 bis 15 Zentimeter. Die Reihen liegen 5 bis 8 Zentimeter auseinander und sind gegeneinander versetzt. So entsteht ein Rautenmuster, das den Stamm gleichmäßig besiedelt. Ein Stamm mit einem Meter Länge und 15 Zentimetern Durchmesser braucht auf diese Weise etwa 30 bis 40 Dübel. Zu wenig Brut verlängert die Durchwachszeit und gibt Fremdpilzen mehr Zeit.

Nach dem Bohren schlägst du die Dübel mit einem Hammer vorsichtig ein. Arbeite zügig, damit die Bohrlöcher nicht offen austrocknen. Wasche dir vorher die Hände und säubere den Bohrer. Beimpfe an einem bewölkten, milden Tag oder im Schatten. Bei Frost oder Hitze über 25 Grad wartest du besser.

  1. Stamm auf Böcke oder Paletten legen und Rinde prüfen.
  2. Bohrlöcher im Rautenmuster setzen, 30 bis 40 Millimeter tief.
  3. Dübelbrut sofort einschlagen, bis sie bündig sitzt.
  4. Alle Öffnungen mit Wachs verschließen.
  5. Stamm beschriften: Art, Holz, Datum.

Öffnungen schützen und Stamm lagern

Jedes Bohrloch verschließt du mit Wachs. Geeignet sind Bienenwachs, Käsewachs oder Paraffin. Du erhitzt das Wachs in einem alten Topf, bis es flüssig ist, und trägst es mit einem Pinsel auf. Das Wachs hält die Brut feucht und hält Insekten sowie Fremdsporen draußen. Verletzte Rindenstellen und die Schnittflächen der Stammenden kannst du ebenfalls wachsen. Das bremst die Austrocknung deutlich.

Nach dem Beimpfen lagerst du die Stämme an ihrem schattigen Standort. Stapel sie locker, zum Beispiel kreuzweise, damit Luft zirkuliert und trotzdem Feuchtigkeit gehalten wird. Eine Abdeckung aus Jute, Vlies oder Laub schützt vor Wind und Sonne. Plastikfolie ist ungeeignet, weil sich darunter Hitze und Schimmel bilden. Die Beschriftung mit Art und Datum ist wichtig, weil du in einem Jahr sonst nicht mehr weißt, welcher Stamm was trägt.

Holzkultur pflegen

Die Pflege einer Stammkultur ist überschaubar, aber nicht null. In den ersten Monaten entscheidet sich, ob das Myzel den Stamm erobert oder ob Fremdpilze gewinnen. Zwei Faktoren kannst du beeinflussen: die Feuchtigkeit und den Schutz vor Sonne und Wind. Alles andere macht der Pilz.

Die häufigste Ursache für gescheiterte Stammkulturen ist Trockenheit. Das Myzel wächst nur in feuchtem Holz. Trocknet der Stamm über Wochen aus, stellt das Myzel das Wachstum ein und kann absterben. Zu viel Wasser ist seltener ein Problem, solange die Stämme nicht dauerhaft im Wasser stehen.

Ein Blick alle zwei bis drei Wochen reicht. Du prüfst die Rinde, die Schnittflächen und den Zustand der Wachsstellen. Bei längeren Trockenphasen greifst du ein. Wer schon Erfahrung mit Zuchtsets oder Kulturen im Haus hat, findet den Vergleich der Methoden im Beitrag Pilze selbst züchten.

Feuchtigkeit und Schatten sichern

Bei normalem Wetter mit regelmäßigem Regen brauchst du nichts zu tun. Bleibt es länger als zwei Wochen trocken, gießt du die Stämme gründlich mit dem Schlauch oder der Gießkanne. Wichtig ist, dass das Wasser die Rinde durchfeuchtet und nicht nur abperlt. Bei anhaltender Hitze kannst du die Stämme für 12 bis 24 Stunden in eine Wanne mit Wasser legen. Danach kommen sie zurück an ihren Platz.

Auf dem Balkon trocknet Holz schneller aus als im Garten. Dort gießt du im Sommer oft wöchentlich. Eine Schicht Rindenmulch im Kübel speichert Feuchtigkeit und gibt sie langsam an den Stamm ab. Der Schatten muss über den Sommer erhalten bleiben. Wächst eine Hecke zurück oder verändert sich der Sonnenstand, kann ein Standort plötzlich zu hell werden. Dann versetzt du die Stämme oder spannst ein Schattiernetz.

Durchwachszeit geduldig begleiten

Die Durchwachszeit dauert bei Austernpilzen sechs bis zwölf Monate, bei Shiitake zwölf bis 24 Monate. In dieser Zeit passiert äußerlich wenig. Ein gutes Zeichen sind weiße Myzelflecken an den Schnittflächen der Stammenden. Sie zeigen, dass das Myzel den Stamm durchzogen hat. Bei Shiitake färben sich die Schnittflächen manchmal bräunlich, das ist normal.

Probleme erkennst du an grünem, schwarzem oder orangefarbenem Bewuchs auf den Schnittflächen. Kleine Flächen sind unkritisch, das Kulturmyzel setzt sich meist durch. Großflächiger Fremdbewuchs bedeutet, dass der Stamm verloren ist. Solche Stämme entfernst du aus der Nähe der anderen. Fruchtkörper, die du nicht als deine Kulturart erkennst, lässt du stehen und isst sie nicht.

Wenn nach 18 Monaten bei Austernpilzen oder nach 30 Monaten bei Shiitake nichts passiert, war meist das Holz zu trocken oder die Brut nicht mehr lebensfähig. Ein Neustart mit frischen Stämmen ist dann die bessere Wahl als weiteres Warten.

Fruchtung, Ernte und Winterpflege

Die Fruchtung setzt ein, wenn das Myzel den Stamm ausreichend besiedelt hat und die Bedingungen stimmen. Auslöser sind in der Regel ein Temperatursturz, starker Regen oder ein Wechsel von trocken zu feucht. Im Freiland passiert das im Frühjahr und Herbst. Im Hochsommer und im tiefen Winter ruhen die meisten Stämme.

Bei Shiitake kannst du die Fruchtung gezielt anstoßen. Dafür legst du den durchwachsenen Stamm für 24 Stunden in kaltes Wasser. Der Kälte- und Feuchtigkeitsschock simuliert einen Herbstregen. Nach fünf bis zehn Tagen erscheinen oft die ersten Fruchtkörper. Nach der Ernte braucht der Stamm sechs bis acht Wochen Ruhe, bevor du das wiederholst. Austernpilze fruchten meist von sich aus, sobald das Wetter passt.

Nun solltest du die Stämme ihrer endgültigen Position zuweisen. Viele stellen sie aufrecht und graben sie zu einem Drittel in den Boden ein. Der Bodenkontakt versorgt den Stamm von unten mit Feuchtigkeit. Alternativ lehnst du die Stämme an eine schattige Wand oder legst sie einzeln auf eine Lage Laub. Der Ertrag über die gesamte Lebensdauer liegt bei Shiitake grob bei 15 bis 20 Prozent des ursprünglichen Holzgewichts. Ein Stamm von zehn Kilogramm bringt also über die Jahre etwa ein bis zwei Kilogramm Pilze.

Fruchtkörper erkennen und schonend ernten

Junge Shiitake haben braune, leicht schuppige Hüte mit eingerolltem Rand. Austernpilze wachsen in Büscheln, mit grauen bis braunen Hüten und exzentrischem Stiel. Der beste Erntezeitpunkt ist erreicht, bevor sich der Hutrand ganz aufrollt. Dann sind die Pilze fest, aromatisch und geben noch keine Sporen ab. Wartest du zu lange, werden die Hüte flach und ledrig.

Zum Ernten drehst du den Fruchtkörper vorsichtig am Stielansatz ab oder schneidest ihn mit einem sauberen Messer dicht am Holz. Reiß nicht an der Rinde, denn dort sitzen die Ansatzstellen für die nächste Fruchtung. Ernte alle Pilze eines Büschels, auch die kleinen. Sie wachsen nach der Ernte der großen nicht mehr weiter. Frische Pilze hältst du im Kühlschrank in Papier etwa eine Woche.

Stämme über mehrere Jahre pflegen

Ein beimpfter Stamm ist eine Dauerkultur. Buchen- und Eichenstämme mit Shiitake tragen oft vier bis sechs Jahre, Austernpilze auf Weichholz zwei bis vier Jahre. Der Ertrag nimmt in den letzten Jahren ab, bis das Holz weich und zerfallen ist. Alte Stämme kannst du im Garten liegen lassen, sie zersetzen sich zu Humus.

Der Winter erfordert wenig Eingriff. Das Myzel überlebt Frost ohne Schaden. Die Stämme bleiben an ihrem Platz, gerne unter einer Laubschicht. Auf dem Balkon reicht ein windgeschützter Platz, bei Dauerfrost unter minus zehn Grad kannst du kleine Stämme in einen kühlen Kellerraum stellen. Sie dürfen dort nicht austrocknen. Im Frühjahr kontrollierst du Rinde und Wachs, gießt bei Trockenheit und wartest auf die neue Fruchtung.

Wer mehrere Stämme in unterschiedlichen Jahren beimpft, hat eine gestaffelte Ernte. Während die einen noch durchwachsen, tragen die anderen schon. Pilze auf Holz züchten wird so zu einem festen Teil des Gartenjahres mit kleinem Aufwand und regelmäßigem Ertrag.

pilze auf holz züchten - ergänzendes Bild

Häufige Fragen

Kann ich einen Stamm mit mehreren Pilzarten gleichzeitig beimpfen?

Das ist nicht empfehlenswert. Zwei Arten im selben Stamm konkurrieren um das Holz, und meist setzt sich eine durch, während die andere kaum Ertrag bringt. Nutze pro Stamm nur eine Art und beschrifte ihn eindeutig. Wenn du Shiitake und Austernpilz haben willst, beimpfst du getrennte Stämme und lagerst sie mit etwas Abstand zueinander.

Kann ich Pilze auf Holz züchten, ohne einen Garten zu haben?

Ja, ein schattiger Balkon oder ein kühler Kellerraum reicht für kleine Stammstücke von 30 bis 50 Zentimetern. Auf dem Balkon stellst du die Stämme in einen Kübel mit feuchtem Rindenmulch und deckst sie mit Jute ab. Im Keller brauchst du Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad, regelmäßiges Besprühen und für die Fruchtung etwas Tageslicht oder eine schwache Lampe. Ohne Zugang zu frischen Stämmen kannst du alternativ auf Substrate wie Stroh oder Holzpellets ausweichen.

Lassen sich Steinpilze oder Pfifferlinge auf Holz züchten?

Nein, Steinpilze, Pfifferlinge und Trüffel sind Mykorrhizapilze. Sie leben in Partnerschaft mit den Wurzeln lebender Bäume und beziehen daraus ihre Nährstoffe. Auf totem Holz oder anderen Substraten wachsen sie nicht, deshalb gibt es für diese Arten auch keine Dübelbrut. Für die Stammkultur bleibst du bei Holzzersetzern wie Shiitake, Austernpilz oder Igelstachelbart.

Schaden Kulturpilze auf Stämmen den Bäumen im Garten?

Für gesunde Bäume besteht praktisch kein Risiko. Shiitake und Austernpilz sind Saprophyten, also Zersetzer von totem Holz, und können intakte Rinde nicht durchdringen. Nur an frischen Verletzungen oder abgestorbenen Ästen könnten Sporen ansetzen. Halte deshalb zu geschwächten oder frisch beschnittenen Bäumen einen Abstand von einigen Metern.

Was hilft gegen Schnecken an den Pilzstämmen?

Schnecken fressen junge Fruchtkörper oft in einer Nacht ab. Am wirksamsten ist Abstand zum Boden, also die Stämme auf Paletten, Ziegel oder ein Gestell legen. Ein Kupferband um die Auflage oder eine Schicht trockener Sägespäne rund um den Standort hält viele Schnecken fern. Kontrolliere in der Fruchtungsphase abends und sammle Schnecken bei Bedarf von Hand ab.

Wie mache ich geerntete Shiitake und Austernpilze haltbar?

Trocknen ist die einfachste Methode. Du schneidest die Pilze in Scheiben und trocknest sie bei 40 bis 50 Grad im Dörrgerät oder Backofen mit leicht geöffneter Tür, bis sie brüchig sind. Luftdicht und dunkel gelagert halten sie so ein Jahr oder länger. Alternativ kannst du die Pilze kurz anbraten oder blanchieren und portionsweise einfrieren, roh eingefroren werden sie matschig.

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